Tagesstrecke: 46,6 Km
Wir wollen eigentlich früh starten, es wird dann aber doch schon wieder 9:15 Uhr bis wir loskommen. Auch hier kommt nun eine ungewöhnliche Wärme über uns und die Temperaturen werden auf 29° steigen. Aber wir wollen nicht klagen, die Strecke ist weitgehend eben und wir fahren auch oft durch Waldgebiete oder Alleen die Schatten spenden und Kühle bringen. Der Fahrtwind tut ein übriges.
Nach knapp 20 Kilometern erreichen wir Roedvig, eine kleine Hafenstadt. Wir fahren auch zum Hafen und wollen unser karges Frühstück aufrüsten. Leider sind zwar viele Bars und Café dabei sich auf die Öffnung vorzubereiten, aber offen haben wir noch keins gesehen. Einen Tipp bekommen wir nachdem Jana in der Touristeninformation nachfragt. Das vorgeschlagene Café liegt nicht weit und so sehen wir es auch schon von Weitem, weil sich dort eine richtige Traube von Menschen versammelt hat. Jana übernimmt es, den Kaffee zu ordern und bringt für mich noch ein mit Wurst und Käse belegte Semmel mit. Wir sitzen dann sogar neben dem Café im Schatten an einen Tisch mit einem etwa gleichaltrigem Ehepaar, die sofort die Gelegenheit wahrnehmen uns in ein Gespräch zu verwickeln. Sie wohnen wohl hier in Rödvig, sind lebenslustig und gesprächig. Ich habe erst einmal Schwierigkeiten, mich in das Gespräch einzuklinken, aber Jana ist natürlich gleich in ihrem Element. Sie sprechen beide etwas deutsch und so wird es noch ganz lustig. Schließlich muss ich aber zum Aufbruch drängen.
Schon auf unserem Weg nach Rödvig, konnten wir einen ersten Blick auf Stevns Klint werfen, eine Steilküste nun hier auf Seeland. Das Kliff hat zwar eine Länge von 15 Kilometern, aber dafür ist es mit einer Höhe von gerade mal 41 Metern nicht einmal halb so hoch wie Moens Klimt. Unverständlicherweise ist dieses Kliff bereits seit 2024 als Weltnaturerbe bei der UNESCO gelistet. Vielleicht liegt es ja an dem Ort, den wir nun als Nächstes aufsuchen. Nach etwa fünf Kilometern machen wir einen Abstecher zur Küste in den Ort Hoejerup, ein Ort der sicher eine der Hauptsehenswürdigkeiten Dänemarks aufweist. Hier gibt es eine alte Kirche, die inzwischen soweit am Kliffrand steht, dass man unschwer erkennen kann, dass hier etwas fehlt. Zu ihrer Bauzeit lag die Kirche noch etwa 50 Meter von der Abbruchkanten entfernt, rückte aber durch die Erosion des Kliffs immer näher. 1928 stürzte dann bei einem weitern Abbruch der Chorraum mit in die Tiefe.
Sehenswert ist eine solche Ruine natürlich. Ich kenne so etwas schon aus Polen und so ist es nicht verwunderlich, dass auch hier Dutzende Touristen gleich uns herumspazieren. Besonders Interesse löst die Kirche natürlich auch dadurch aus, dass man sie nach wie vor besichtigen kann. Es solle insoweit verschiedene Küstensicherungsmaßnahmen den weitern Abbruch des Kliffs verhindern. Dennoch geht man natürlich mit einem gewissen Prickeln in dieses Kirchlein. Dort wo früher der Altarstand ist eine offene Tür die den Blick aufs Meer zulässt. Mehr noch, man kann sogar auf eine Plattform hinaustreten und steht somit direkt über dem Abgrund. Sehr verlockend!? Wir schauen uns natürlich auch das weitere Innere der Kirche an. in einem Seitenraum steht der ziemlich ramponierte Altar, der ja bei dem Unglück auch in die Tiefe gerissen worden sein muss. Die Kirchenbänke und die alte Kanzel stehen noch unversehrt im verbliebenen Raum. An den Wänden kann man noch die Reste einzelner Fresken sehe, unter anderem den Heiligen Christophorus, der das Christuskind trägt.
Nachdem wir uns hier ausgiebig umgesehen haben werfen wir noch einen Blick in die etwa 100 Meter entfernte neue Kirche von Hoejerup. Sie wurde in weiser Voraussicht bereits 1912 errichtet. Dann geht es weiter auf gut asphaltierten Nebenstraßen. Nach weiteren 17 Kilometern kommen wir zum Schloss Gjorslev, was die älteste mittelalterliche Schlossanlage Dänemarks sein soll. Uns dem Schloss nähern dürfen wir nicht, weil an den Zufahrtswegen überall die drohende Schilder privat und Zutritte verboten angebracht sind. Das ist umso amüsanter als davor ein großes Schild mit der Aufschrift einem herzlichen Willkommen angebracht ist. So fahren wir ein Stück weiter und kommen in den Park, von dem aus noch gute Fotos auf das Schloss gelingen.
Nun sind es nur noch etwa 10 Kilometer bis zu unserer heutigen Unterkunft in Stroeby Egede, mehr oder weniger ein Vorort der größeren Stadt Koege. Wir haben dort ein kleines Apartment über Airbnb gebucht und werden zwei Nächte bleiben, weil wir erst am Sonntag eine adäquates Hotel in Kopenhagen gefunden haben. Die Vermieterin hat uns sehr freundlich vorbereitet, aber auch hier geht wieder alles über einen Code und wir werden die Vermieter wohl auch hier nicht kennenlernen. Als wir ankommen sieht das dazugehörige Haus bewohnt aus und wir stellen dann fest dass die Vermieter hier mit drei Kindern wohnen und wir so eine Art Einliegerwohnung gemietet haben. Es stellt sich dann aber schnell heraus, dass die Vermieter mit den Kindern unterwegs sind, wahrscheinlich weil in Dänemark gerade die Sommerferien begonnen haben.
Über unser Apartment können wir uns nicht beklagen, vor allem ist die Küche so gestaltet, dass man sich selbst versorgen kann. So fahre ich erst einmal zu nahegelegenen Hundenetto und sorge für die Vorräte, die wir für zwei Morgen und zwei Abende brauchen werden. Danach stelle ich mich in die Küche und mache für heute Abend meinen Nudelauflauf. Leider bekomme ich bei Netto nicht alle Zutaten. Zucchini scheint man in Dänemark nicht zu kennen und Möhren, Zwiebeln und Knoblauch bekommt man nur in größeren Mengen. So lasse ich es mit zwei Paprika und ein Bund Lauchzwiebeln bewenden. Geschmeckt hat es trotzdem.
Die Wohnung, die natürlich auch ziemlich warm geworden ist, lassen wir durchlüften, so dass wir, als wir uns Bett reif machten, doch eine halbwegs erträgliche Temperatur hatten.
- Blick zum Stivns Klint
- Stimmung in Roedvig
- Der Hafen von Roedvig
- Blick zurück auf den Hafen von Rödvig
- Sieht aus wie ein kleiner Leuchtturm ist aber ein Feuersteinofen, in dem Schießpulver hergestellt wurde. Heute soll er das Wahrzeichen Roedvigs sein
- BLick auf die Kliffs von Moen
- Die alte Kirche von Hoejrup
- Blick dur die inzwischen als Tür gebaute Öffnung durch die man früher in den Chor- und Altarraun schaute
- So sah der Blick früher aus
- Die Reste des alten Altars
- Die alte Kanzel
- Die Wandfresken, hier der Heilige Christopheruns, der das Christruskind durch einen Fluss trät
- Felsrelief am Abgrund
- Über dem Abgrund
- Hier alte Zeitungsbilder von der Kirche kurz vor dem Absturz des Chorteils
- Die neue Kirche in Hoejerup
- Blick ins Innere
- Der Stevns-Leuchturm
- Was hier abgebaut wird weiß icch noch nicht, aber ob das mit dem Weltnaturerbe-Status vereinbar ist?
- Zufahrt Gjorslev
- Ein prächtigeres Bild vom Park aus
- Jana fotografiert Bäume
- Unser Abendessen. Lecker war´s
































