Tagesstrecke: 45,18 Km
Wie schon gesagt, wir wären nicht Jana und Wolfgang, wenn unsere Reise in Kopenhagen schon beendet gewesen wäre. Also geht es heute erst einmal weiter in Richtung Helsingoer. Jeder von uns hat ein besonderes Ziel. So fahren wir nach einem letzten ausgezeichneten Frühstück hier in Kopenhagen los. Das Wetter ist nach wie vor Warm und sonnig. Über weite Strecken geht es auf dem Radweg an der 152, genannt Strandvej, direkt entlang des Öresunds mit Blick nach Schweden. Hier findet sich auch entlang der Straße die vielseitige Architektur Dänemarks. Neben prunkvollen Villen sieht man auch einfachere Häuser und die Vielseitigkeit der Architektur zeichnet Dänemark auch aus.
Leider müssen wir auch einige Kilometer auf einem landeinwärts angelegtem Radweg fahren. An sich kein Problem, allerdings frisst er Zeit weil er relativ eng und in beiden Richtungen viel befahren ist und es ständig auf und abgeht. Nach etwa 20 Kilometern erreichen wir in Rungsted das Haus, in dem Karen Blixen (1885- 1962) geboren wurde und später auch bis zu ihrem Lebensende gelebt hat. Karen Blixen ist den Älteren der Besucher hier sicher durch den Film „Jenseits von Afrika“, in dem der wichtigste Teil ihres Lebens nach ihrer Autobiografie verfilmt wurde, in dem sie von Meryl Streep gespielt wurde. Was nicht alle wissen, ist, dass Karen Blixen tatsächlich gelebt hat. So erzählt mir Jana, dass sie den Film zwar geliebt habe, aber nicht wusste, dass es Karen Blixen tatsächlich gab. Ich war bereits vor über 20 Jahren hier mal vorbeigefahren und hatte mir vorgenommen das nunmehrige Museum auch mal zu besuchen und Jana wollte natürlich nun auch unbedingt wissen, was es mit Karen Blixen auf sich hatte.
Das Haus widmet sich ausführlich den Lebensdaten von Karen Blixen. Dabei wird natürlich auch auf ihre Zeit als Farmerin in Afrika, aber auch auf ihre Zeit als Schriftstellerin nach ihrer Rückkehr nach Dänemark eingegangen. Diese Beschreibung der Lebensdaten füllt schon zwei Räume, leider sind die Ausführungen wieder nur in dänisch und englisch. Ansonsten gibt das Haus einen wohl ziemlich authentischen Eindruck von den Lebensverhältnissen und Einrichtungen zu Lebzeiten Blixens. Es sind Wohnräume wie sie für das gehobene Bürgertum der 1930er bis 1960er Jahre sicher nicht untypisch waren. Ansonsten sind in dem Gebäudekomplex ein kleines Restaurant und ein Museumsshop untergebracht.
Bemerkenswert ist der mehrere Hektar große Landschaftspark hinter dem Gebäude, den Blixen nach ihrer Rückkehr aus Afrika in eine Naturschutzgebiet verwandelte. Hier wandern auch wir ein wenig, nachdem wir das Haus besichtigt haben. Hier weiden Kühe, hier ist ein bunter Garten mit allerlei Blumen angelegt, es gibt einen Teich dessen Ufer mit großblättrigen Pflanzen bewachsen ist, es gibt unzählige alte Bäume und es gibt schließlich in einiger Entfernung vom Haus mitten unter einem alten Baum das Grab Karen Blixens. Das Grab besteht aus einer rechteckigen Granitplatte mit der schlichten Aufschrift „Karen Blixen“. Wir bleiben an dem Grab auf einer Bank einige Minuten sitzen. Bis hierher scheinen sich nur wenige Besucher zu verirren und in Gedanken hängen wir natürlich unseren Erinnerungen an den Film „Jenseits von Afrika“ nach. Der Film macht auch sicher deutlich, dass Karen Blixen ein Kind ihrer Zeit war. Sie liebte zwar Land und Leute in Afrika, hütete aber ihre Mitarbeiter sehr matriarchalisch und es sicher nicht von der Hand zu weisen, wenn einige afrikanische Autoren ihr eine rassistische Sichtweise auf die Afrikaner vorgeworfen haben.
Nach unserem Besuch setzen wir uns noch vor das Haus auf eine Bank und verspeisen unseren mitgebrachten Mittagsproviant. Danach geht es weiter in das zehn Kilometer entfernte Lousiana Museum of Modern Art in Humlebaek, ein Ort den wahrscheinlich niemand kennt.. Auch das Museum liegt direkt am Öresund, ist aber von außerhalb überhaupt nicht sichtbar, weil es von Bäumen versteckt ist. Man merkt es eigentlich nur am Verkehrsaufkommen und an den vielen Autos und Fahrrädern, die da plötzlich stehen, dass hier etwas Besonderes sein muss. Das ist es wohl auch. Mit über 700 Tsd. Besuchern jährlich soll das Louisana das meistbesuchte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Skandinavien sein. Es wird für seine Sammlungen und Ausstellungen gefeiert.
Da ich für die dort gezeigten Werke, wie ich zugeben muss, nur wenig Verständnis aufbringen kann, hat mich aber die Architektur des Museums sehr beeindruckt. Es wird auch als Meilenstein der dänischen Architektur gepriesen und für seine Synthese aus Kunst, Architektur und Landschaft, mit einem Skulpturenpark aus dem vor allen die Plastiken von Henry Moore hervorstechen. Zum Gebäudebestand gehören neben dem Haupthaus, einer alten Patriziervilla, die modernen Anbauten mit Glaskorridoren und Cafeteria, der Konzerthalle, dem in die Erde abgesenkten Südflügel und dem unterirdischen Ostflügel, mit dem die Anlage eine nahezu kreisförmige Struktur erhielt. Es ist schon beeindruckend, was man hinter einen solchen von außen kaum sichtbaren Architektur verbergen kann. Freilich kann man sich hier auch gut verlaufen, was uns mehrfach gelungen ist.
Bleibt noch nachzutragen wie es überhaupt zu dem Namen Lousiana gekommen ist. Die Ursprungsvilla trug wohl den Namen, weil die drei Frauen des Ursprungsbesitzers Louise hießen, was ihn dann wohl dazu veranlasste dem Haus den doch etwas verfremdeten Namen im Erinnerung an seine drei Frauen zu geben. Nun ja. Außerdem könnte ich mir gerade dieses Haus auch in Lousiana vorstellen. So sehen auch dort die amerikanischen Farmerhäuser aus.
Zur Zeit läuft bis September noch eine Ausstellung des Malers Lucian Freud, eines Enkels von Sigmund Freud. Er gilt wohl als einer der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts. Nachdem sich insbesondere Jana ausgiebig umgesehen hat, treffen wir in der Cafeteria zur je einem Cappuccino und jeweils einem Stück Kuchen für den stolzen Preis von ca. 27 EURO. Danach machen wir uns auf den Weg zu unserer heutigen Unterkunft, das Comwell Borupgaard, in dem Stadtteil von Helsingör namens Snekkersten. Unsere Unterkunft ist ein altes Herrenhaus mit angebautem modernen Hotel. Wir haben ein sehr schönes Zimmer, wahrscheinlich bisher unser Bestes. Zum Abendessen gehen wir, um unser Budget etwas zu schonen, in eine nahegelegene Pizzeria und sind mit der Pizza sehr zufrieden.
- Hier ein schönes Beispiel für dänische Straßen. Rechts der Fußweg, in der Mitte der Radweg und links die Straße jeweils deutlich voneinander abgetrennt.
- Häuser entlang der Strecke
- Denkmal für den grönländisch-dänischen Polarforscher, Ethnologen und Buchautor Knud Rasmussen
- Blick nach Schweden
- Die Öresund-Brücke
- Das Anwesen von Karen Blixen
- Im Landschaftspark
- Das Grab
- Blick vom Karen Blixens Grundstück auf den Yachthafen von Rungsted
- Blick zurück
- Plastik von Henry Moore
- Roy Lichtenstein
- Andy Warhol
- Die Ursprungsvilla des Museums
- Noch eine Plastik von Henry Moore
- Blick über Henry Moore, Jana und Öresund nach Schweden
- dito mit Wolfgang
- Blick auf die schwedische Stadt Helsingborg











































