Tagesstrecke: 49,8 Km
Geschafft! Wir sind, trotz einiger Hindernisse am heutigen Tag, gut in Kopenhagen angekommen. 770 Kilometer liegen nun hinter uns. Aber ich erzähle besser der Reihe nach. Der Tag fing für uns doch sehr überraschend an, denn als wir aufwachten regnete und gewitterte es und es sah so aus als würde das bis mittags so andauern. Wir frühstückten dann erst einmal in Ruhe und konnten die Reste meines größeren Einkaufs vom Freitag noch alle gut verwerten. Nach dem Frühstück begannen wir aufzuräumen und einzupacken. Da Jana die letzten Tage häufiger geklagt hatte, dass irgendetwas an ihrem Fahrrad schleift, ich aber nichts fand, dachte ich vielleicht hat die Kette mal wieder Öl nötig und so war es auf jeden Fall auch und ich ölte sie. Ob das freilich was mit dem Schleifgeräuschen zu tun hatte, hielt ich eher für zweifelhaft. Ich freute mich aber, das Jana nach einer Probefahrt zufrieden zurückkam und meinte es laufe wieder alles wie geschmiert.
Inzwischen hatte es überraschend aufgehört zu regnen und der Wetterradar zeigte deutlich, dass sich große Teile des Regengebiets aufgelöst hatten und auch heute kein weiterer Regen zu erwarten wäre. Also machten wir uns gegen 10:15 Uhr auf den Weg unserer zielführenden Etappe. Da die Temperaturen nach dem Regen wieder schnell anstiegen, die Sonne ließ nicht lange auf sich warten, und wir Temperaturen bis 29° erwarten mussten, entschieden wir uns für den kürzesten Weg nach Kopenhagen. Es ist eine gut befahrene Landstraße unweit der Küste, die allerdings auch über einen gut ausgebauten straßenbegleitenden Radweg verfügt. Ärgerlich ist halt nur der Autolärm. Hier erkennt man aber schon, dass Dänemark auch ein Radfahrerland ist. So haben fast alle Radwege eine Breite von zwei bis drei Metern. In Köge wurden wir noch einmal über den Marktplatzt geleitet und wir machten noch einen Foto Stopp. Wir fuhren dann los, aber ich merkte plötzlich, dass Jana überhaupt nicht hinter mir war. Ich wartete wie wir es immer tun, wenn einer von uns völlig außer Sichtweite ist, aber sie kam und kam nicht. Ich wollte gerade zurückfahren als ein Anruf von Jana einging, die mir mitteilte, dass sich ihre Pedale nicht mehr treten lasse. Etwas überrascht fuhr ich zurück und tatsächlich die Pedale ließ sich nicht mehr drehen. Also mussten wir das Rad einmal genauer untersuchen. Die erste Vermutung, dass das vordere Ritzel mit dem Gangschaltungsumwerfer kollidiert, erwies sich bei genauer Betrachtung als nicht richtig. Es lag offensichtlich irgendwie an der hinteren Ritzelkassette. Ich sah, das dort ein Metallstück hervorlugte und die beiden kleinen Gangritzel berührte und dass die Blockierung eintrat, wenn Jana in den 9. oder 10. Gang schaltete. Da wir aber nicht wussten wie wir dem abhelfen könnten, schlug ich zunächst auf die beiden oberen Gänge zu verzichte, was dann auch die Weiterfahrt ermöglichte aber die Schleifgeräusche nicht beeinträchtigte. Also fuhren wir erst mal weiter.
Nach der Hälfte unserer Tour machten wir erst mal Mittagspause am Hafen von Mosede und verzehrten unsere mitgebrachte Brote. Jana, als alte Seglerin, schaute sich noch ein wenig im Hafen um, dann fuhren wir weiter. Ich merkte, dass Jana doch immer unruhiger wurde. So hielt ich nach einer Weile an und wir untersuchten noch einmal das hintere Ritzel. Als ich suchte, um das ominöse Metallstück zu finden, lag plötzlich ein Schraube zwischen den beiden unteren Ritzeln. Ich schaute sie mir genauer an und konnte feststellen, dass sie schon sehr gelitten hatte und ihr Kopf ziemlich abgewetzt aussah. Nun konnten wir sehr schnell erkennen, was die Ursache des Ganzen war. Aus irgend einem Grunde hatte sich die Schraube, die die eine Seite des Gepäckträgers mit dem Rahmen verband gelöst und war immer dann zunehmend mehr mit dem Ritzel in Verbindung getreten, die den Schraubenkopf schleifte und schließlich auch mit der Kette, die die Pedale dann irgendwann blockierte. Die Ursache hatten wir also nun gefunden, aber wie sollten wir Abhilfe schaffen.
Wenn wir den Gepäckträger wieder anschrauben wollten, mussten wir das Hinterrad herausnehmen und versuchen die Schraube wieder einzudrehen. Da ich noch nie ein Hinterrad mit einer Ritzelkassette austauschen musste, hatte ich keine Ahnung wie man das macht. Da meinte Jana allerdings, dass sie wisse wie das geht, weil sie zugeschaut habe, bei ihren Bike Fitting Test wie der Mitarbeiter das Hinterrad ausgebaut habe. Ich muss zugestehen, dass ich etwa ungläubig schaute. Wie Jana so ist, ergriff sie aber nun die Initiative und wies mich an, wo ich schrauben müsse um den Hinterradbolzen herauszuschrauben. Das ging dann recht unproblematisch und mit zwei geschickten Handbewegungen und Anweisungen an mich gelang es uns das Hinterrad herauszunehmen. Die nicht ganz einfache Aufgabe wartete nun auf mich, nämlich die Schraube mit dem ziemlich lädierten Schraubenkopf wieder so einzuschrauben, dass es eine feste Verbindung zwischen Gepäckträger und Rahmen gibt. Ich brauchte mehre Versuche, bis ich einen Schlüssel in meinem Werkzeug fand, der auf Schraubenkopf zu fassen bekam. Aber schließlich gelang es. Nun kam der aus meiner sich schwierigste Teil, nämlich das Hinterrad wieder zu montieren. Mit wieder zwei geschickten Hangriffen gelang es Jana es in der richtigen Position wieder in de Rahmen hineinzusetzen und mir gelang es dann auch den Bolzen wieder richtig einzuschrauben. Und siehe da, nach einer kleinen Probefahrt waren alle Probleme gelöst.
Natürlich haben die kleinen Ritzel der Kassette und wahrscheinlich auch die Kette durch den ständigen Abrieb gelitten. Ich denke aber das kann nun noch bis zu unserer Rückkehr warten, dann wird Jana das Fahrrad sicher noch mal in die Werkstatt bringen müssen. Dennoch sind wir stolz auf unsere geglückte Reparatur.
Ansonsten war der heutige Tag geprägt durch viele Menschen die zu den Stränden vor Kopenhagen unterwegs waren und auch die breiten Fahrradwege waren sehr befahren. Erfreulich ist dann aber, wenn man nach Kopenhagen reinfährt, dass man sich auf dem Fahrrad nie unsicher fühlen muss. Davon könnten sich auch viele deutsche Großstätte eine Scheibe abschneiden. Aber wahrscheinlich ginge das ohne eine angedrohte Revolution durch die Autofahrer und ihre Lobby nicht ab. Morgen wollen wir eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad durch Kopenhagen machen. Mal sehen, ob es so bleibt.
Wir hatten schon vor einiger Zeit das ziemlich zentral gelegene Comfort Hotel für drei Nächte gebucht. Es ist ordentlich aber natürlich hier in Kopenhagen auch für unsere Verhältnisse recht teuer. Nach unserer Ankunft bezogen wir erst mal unser Zimmer und stellten unsere Fahrräder auf den Hof des Hotels. Danach drängte Jana an die Bar und musste mich nicht lange überreden, dass wir hier unser Zielerreichungsbier und natürlich auch ein Bier auf die erfolgreiche Reparatur trinken mussten. Wegen der zwei Gründe wurden natürlich zwei Bier draus, allerdings für den stolzen Preis von 37 €. Da wir etwa soviel getrunken haben wie es einer Maß auf dem Münchner Oktoberfest entspricht müssen wir feststellen, dass wir auf dem Oktoberfest für die Maß drei bis vier EURO weniger hätten zahlen müssen.
Nachdem wir eine Stunde geruht hatten, machten wir noch einen kleinen Abendspaziergang und aßen bei einem Thailänder ein sehr gutes Abendessen, das auch nicht viel teurer war als das Bier.
- Der Marktplatz von Köge
- Häuser in Köge
- Sie fotografiert ihn
- Er fotografiert sie
- Das Arken Museum für Moderne Kunst in Ishoj, kurz vor Kopenhagen
- Fahrradreparatur
- Blick inms Zentrum von Kopenhagen
- Wandgestaltung in Speisesaal unseres Hotels















