Zurückgelegte Strecken: 103,91 Km
Wir erleben die Insel bei schönstem Sommerwetter. Die Sonne scheint und die Temperaturen schwanken zwischen angenehmen 20 bis 25 Grad. Passendes Wetter zur Mitsommernacht. Ein Ende dieses Wetters ist noch nicht abzusehen. Die Hauptstadt der Insel, Stege, haben wir uns schon ein wenig angeschaut. Aber am ersten Tag unseres Aufenthalts hatten wir vor allem vor ein wenig auszuspannen. Das haben wir auch getan. Im übrigen wollten wir etwas unsere Ausgaben einsparen und da wir uns hier in Elmelunde auch selbst versorgen können, sind wir auch damit beschäftigt diesbezüglich einzukaufen, was notwendig ist.
Ich will jetzt nicht unseren Aufenthalt in allen Einzelheiten erzählen. Aber es gibt zwei Erlebnisse, die ich besonders hervorheben möchte. Zum einen sind das die Kirchenbemalungen des sogenannten Elmelunde-Meisters und unser Besuch am am Moens Klint.
Der Elmelunde Meister
Der Elmelunde Meister ist ein namentlich nicht bekannter Maler, der Mitte des 15. Jhdt. auf Moen in drei Kirchen beeindruckende Wandmalereien hinterlassen hat, mit denen er weit über die Grenzen Moens hinaus bekannt geworden ist. Auf Moen sind es die Kirchen Elmelunde direkt gegenüber unserem Quartier, die Kirche von Keldby und am Fanefjord. Aber es werden ihm auch die Wandmalereien in drei Kirchen auf Falster und in der Kirche von Kettinge auf der Insel Lolland zugeschrieben.
Elmelunde Kirke
Natürlich ist die Kirche von Elmelunde unsere erste Station. Zuerst wurden diese Wandmalereien 1885 bei der Restaurierung der Kirche in Ermelunde, Moens ältester Landkirche, wiederentdeckt, nachdem sie offensichtlich nach der Reformation weiß übertüncht worden waren. Aufgrund dieser ersten Entdeckung wurde der unbekannte Künstler Elmelunde-Meister genannt. Die Werke waren sogenannten Bilderbibeln nachempfunden, die biblische Geschichten in naiven Bildern den Gläubigen, die damals weder lesen noch schreiben konnten, zeigten, damit sie selbst interpretieren konnten. Diese Bilderbibeln waren um 1450 aufgekommen, um den einfachen Menschen die Bibel nahezubringen bzw. auch darauf hinzuweisen, welche Anforderungen und Erwartungen Gott den Menschen abverlangte. Neben den biblischen Geschichten werden auch Alltagsszenen dargestellt, aus denen aber auch Verhaltenspostulate interpretiert werden konnten. Mit der Bemalung der Kirchen gab es natürlich eine noch weitere Verbreitung der Inhalte der Heiligen Schrift. Wenn man so will war es ein erster Schritt zum Buchdruck, in dem man das Buch visuell vielen Menschen zur Verfügung stellte. Wie gesagt, es handelt sich aus heutiger Sicht um naive Darstellungen, die auch von ihrem künstlerischen Wert nicht mit der italienischen und französischen Kirchenmalerei konkurrieren kann und wahrscheinlich auch nicht wollte. Es ging hier nicht um Kunst, sondern um Pädagogik. Man geht wohl auch davon aus, dass es sich um eine Art Schablonenmalerei handelt, weil die Bilder sich in den drei Kirchen doch sehr ähneln.
- Die Kirche von Elmelunde
- Die Rückseite mit einem alten Hügelgrab
- HGier sieht man im oberen Teil die Heiligen Drei Könige im Stall von Bethlehem
- Hier die drei Gewölbemalereien in der Kirche
- Hier finden sich die biblischen Geschichten in den einzelnen Dreiecken. Wer Lust hat kann sich ja daran versuchen. Einige sind leicht zu erkennen. Wer aber wie ich nicht soinderlich bibelfest ist, wird schon bald Schwierigkeiten bekommen
Keldby Kirke
Von den Motiven und ihrer Darstellung unterscheiden sich die Bilder in den drei von uns besuchten Kirchen nicht sonderlich. Die Darstellungen sind lediglich der unterschiedlichen architektonischen Gegebenheiten angepasst.
- Die Kirche von Keldby
- Gesamteindruck der Wandmalereien.
Fanefjord Kirke
Am letzten Tag unseres Aufenthalts nach Moen fahre ich allein nach Fanefjord, um mir die größte und am besten erschlossenen Fresken noch einmal anzuschauen. Am Beispiel der Fanefjord Kirke wollte ich versuchen die Biblischen Geschichten des Elmelund-Meisters systematisch wiederzugeben. Leider gelingt mir das nicht und ich werde versuchen es später nachzuholen. Zumindest wenn man nicht bibelfest ist, ist es eine Sisyphusarbeit. Die Fanefjord Kirche liegt übrigens alleinstehend auf einer Anhöhe am Fanefjord und nicht etwa in einem Ort. Man geht davon aus, dass sie insbesondere für Handelsreisende errichtet wurde, die hierher zur Messe kamen, die am Fanefjord regelmäßig stattfand.
- Stirnwand am Triumphbogen links: Oben die Legende von St. Georg; unten die doppelte Fürbitte
- Von Maria Verkündung oben, Geburt Jesu unten, Mariä Heimsuchung links und die Beschneidung Jesu rechts
- Die Stirnwand des Triumphbogens rechts: Das jüngste Gericht; unten: Himmel und Hölle
- Die Erschaffung der Welt
- Die Entstehung der Welt
- Die Flucht nach Ägypten unten, der Kindermord in Bethlehem oben, Judas erhängt sich und Joahs Mord an Abner links, die Saatgutlegende rechts
Die Fahrt und die Wanderung zum Moens Klint
Die Kreidefelsen Moens Klint ist die höchste Steilküste an der dänischen Ostsee. Seit letztem Jahr stehen sie auch in der Liste des UNESCO-Welterbes. Keine Frage, dann müssen wir auch dahin. Die Fahrt mit dem Fahrrad dorthin ist zwar zu bewältigen, allerdings war es bisher die größte Herausforderung für uns. Es ging etwa vier Kilometer immer wieder bergauf und bergab bis wir schließlich 100 Meter höher angekommen waren.
Leider haben wir am Schloss Liselund erst hinterher mitbekommen, was sich dahinter noch alles verbarg. Wir haben leider nur den modernen Bau von 1887 zur Kenntnis genommen, der heute ein Hotel und ein Restaurant beherbergt, also relativ uninteressant ist. Davor stolzierte zwar ein stolzer Pfau über die Wiese, aber da wir ja in unserer Welt von soviel stolzen Pfauen umgeben sind, ist das auch nicht mehr ein besonderes Ereignis. Im Park des Schlosses soll es noch ein „Chinesisches Lusthaus“, eine „Schweizer Hütte“ und das „Norwegerhaus“ geben. 1835 soll Hans Christian Andersen hier eine Weile gelebt haben. Ein Teil der Parklandschaft ging bei einem großen Kliff Abbruch im Jahre 1905 verloren. Dieser Abbruch zerstörte ein wilde Kluft mit künstlichen Ruinen und einem Wasserfall und riss sie und eine Kapelle mit Zwiebelturm hinfort in die Ostsee.
Wir dachten wir hätten es von der Höhe her nun endlich geschafft, wurden dann aber noch auf einen drei Kilometer langen Waldweg zum Geocenter Moen Klint geleitet, der noch eine Steigerung gegenüber den vorigen Steigungen auf asphaltierter Straße für uns enthielt. Auch hier ging es rauf und runter, aber nun erheblich steiler und über zum Teil noch feuchte und damit rutschige Wege und auch sonst im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein.
Schließlich erreichten wir das Geocenter und machten erst einmal eine Mittagspause. Hier oben standen neben Dutzenden von Autos weit über 100 Fahrräder, sicher 90% eBikes. Vor diesem Hintergrund waren wir dann doch ganz stolz auf unsere Leistung. Danach machten wir einen relativ kleinen aber feinen Rundweg. Dabei ging es erst einmal ca. 500 Stufen steil das Kliff hinunter, dann etwa einen Kilometer entlang des Sandstrandes vor den Klippen mit fantastischen Blicken auf die Klippen und ihre Formationen. Dann ging es wieder 500 Stufen hinauf zum Klippenrand, auf dem wir noch einmal, nun wieder mit vielen Auf und Abs, etwa einen Kilometer zurücklegen mussten, bis wir unser Ziel erreichten. Zurück zu ging es dann noch 16 Kilometer tendenziell bergab, aber da wir natürlich inzwischen diese Landschaften hier kennen, war uns klar, was uns erwartete. Dennoch waren wir wieder einmal erstaunt, wie oft man bergauf fahren musste, wenn man eigentlich bergab fährt.
Trotz einer ziemlichen Müdigkeit kamen wir stolz in unsere Pension zurück, aßen unser Abendessen mit selbst gekauften Dingen und ließen den Abend bei einer Flasche Rotwein ruhig ausklingen.
Hier die Impressionen von unserer Tour:
- Schloss Liselund
- Der stolze Pfau



















































