Radtour Berlin-Kopenhagen – 12. Tag: Von Rostock über Gedser nach Marrebaek (19. Juni 2026)

By 21. Juni 2026Aktuelles

Tagesstrecke: 24,4 Km

Heute beim Aufwachen Erstaunen. Eigentlich war für heute Sonnenschein und Hitze angesagt. Nun stand ein größeres Regengebiet vor Rostock und sollte gerade über Rostock niedergehen, wenn wir zum Fähranleger für die Fähre nach Gedser fahren wollten. Wir ließen uns aber nicht nervös machen, wenn nötig hätten wir auch spätere Fähren nehmen können. Wir standen auch von Seiten des Hotels nicht unter Druck, weil wir hier bis 12 Uhr auschecken konnten. Also genossen wir erst einmal das recht ordentliche Frühstück im B&B Hotel am Rostocker Hafen.

Nachdem wir das Frühstück beendet hatten, analysierten wir die Lage erneut und stellten fest, dass sich das Regengebiet laufend veränderte und sich vor Rostock sogar teilte. Also beschlossen wir doch schon die geplante Fähre zu erreichen, mussten uns nun aber sputen. Der Fähranleger Gedser liegt etwa 10 Kilometer vom Hotel entfernt. Als wir losfuhren fielen zwar einige Tropfen aber es war zum radeln okay. Nach sieben Kilometern begann es aber wieder stärker zu regnen und wir mussten unser Gepäck und uns vor dem Regen schützen. Als wir dann am Fähranleger ankamen, goss es in Strömen.

Ich lief erst einmal zum Ticketschalter und wir mussten für die Überfahrt nach Gedser 72 € bezahlen. 31 € pro Person und 5 € pro Fahrrad. Als ich die Frau hinter dem Ticketschalter etwas erstaunt anschaute, meinte sie nur, es sei eben Hochsaison. Danach warteten wir noch etwa eine halbe Stunde überdacht vor dem Scandline-Büro. Ein anderer Fahrradfahrer hatte an seinem Rennrad einen Platten und fragte, ob wir einen Imbusschlüssel hätten. Da ich mit Werkzeug ganz gut ausgestattet bin, konnten wir ihm helfen und ich konnte ihn auch unterstützen den Radmantel von der Felge zu ziehen, was alleine immer etwas schwierig zu bewältigen ist, zumindest wenn man es nicht gewohnt ist.

Gegen 10:50 Uhr fuhren dann die etwa 10-15 Radfahrer, die sich hier versammelt hatten, bis zum Fähranleger vor. Es regnete noch immer ziemlich heftig und wir mussten immerhin etwa 700 Meter zurücklegen, wurden also recht nass. Gut das wir immer noch zumindest die Regenjacke anhatten. Vor der Anlegestelle war Gottseidank ein Unterstellplatz für Fahrradreisende. Die Fähre war nämlich noch gar nicht da bzw. kam kurze Zeit später, musste dann aber noch wenden und machte rückwärts ihr Anlegemanöver.

Dann wurde erst einmal hektisch. Zunächst mussten die Fahrzeuge aus der Fähre raus, ich schätze es waren mindestens 20 lange LKW und 100 Pkw zum Schluss kamen noch zwei Radfahrer. Umgekehrt ging es genauso, erst fuhren die LKW auf die Fähre, dann die PKW und zum Schluss wir Radfahrer. Trotz der Massen an Autos wurde die Fähre nicht ganz voll. Für Radfahrer waren etwa 10 Plätze ausgewiesen, was dann bei 15 Radfahrern schon etwas schwierig wurde. Da aber das Schiff nicht ganz voll war klappte es. Beeindruckt hat mich die gute Organisation des Be- und Entladen der Fähre. Der ganze Vorgang dauerte höchsten eine Viertelstunde.

Die Überfahrt war unproblematisch. Der Regen ließ langsam nach und ein dünner Nebel bleibt. Das Schiff ist für die Passagiere quasi ein Einkaufszentrum und ein Gastronomietempel, die auch mehr oder weniger stark frequentiert werden. Ich habe immer den Eindruck, dass die Werbung mit Zollfreiheit Lug und Trug ist, weil die Preise doch sehr hoch sind. Das, was man angeblich an Steuern und Zöllen einspart, wird meines Erachtens einfach auf den Preis draufgeschlagen. Ich weiß nicht, ob ich damit richtig liege, aber wenn ein Kabel für ein iPhone schon über 10 € kostet werde ich skeptisch.

Nach etwas über zwei Stunden sind wir am Ziel in Gedser und der Entladevorgang beginnt von Neuem. Interessant, die Fähren sind von vorne und hinten be- und entladebar. Das hat natürlich eine Logik, mir war das bisher nur noch nie so richtig aufgefallen oder ich hatte es schon wieder vergessen. Wenn die Autos hinten reinfahren, müssen sie natürlich vorne wieder raus. es geht ja schlecht auf der Fähre zu wenden.

Um 13:17 Uhr sind auch die Radfahrer wieder raus aus dem Schiff. Bei der Bahn hätte dass sicher nicht so geklappt. Als wir in Gedser wieder über Land fahren hat sich auch der Nebel verzogen und nach und nach kommt auch die Sonne heraus. Die Temperaturen steigen noch bis auf 24 °. Die Landschaft hat sich gegenüber Mecklenburg sehr verändert. Hier auf Falster ist es platt und eben. Man fährt durch eine große Ebene mit Getreide und Gemüsefeldern. Das Fahrradfahren ist hier erst einmal sehr angenehm.

In Marrebaek haben wir eine private Unterkunft gebucht und werden von dem Hausherr, ein Mann in unserem Alter mit aber sehr dominierendem Abdomen, freundlich empfangen. Er vermietet wohl vier Zimmer, mit einem Gemeinschaftsbad, was hier in Dänemark nicht ungewöhnlich ist. Marrebaek ist ein kleiner Flecken mit wenig Infrastruktur. Daher fahren wir, nachdem wir uns eingerichtet haben, in das sechs Kilometer entfernte Marielyst. Marielyst hat zwar nur 633 Einwohner, dafür aber 7200 Ferienhäuser. Ich habe hier 1994 mit meiner damaligen Familie schon mal einen Urlaub verbracht. Ich erinnere mich noch daran wie meine damals fünfjährige Stieftochter Franziska uns damit erfreute, dass sie ständig den Text des Musicals „König der Löwen“ vortrug, den sie inzwischen auswendig aufsagen konnte.

Vor dem Hintergrund des Touristenaufkommens kann man sich vorstellen, was hier im Sommer los ist. So findet man eine Infrastruktur, die weniger an den 633 Einwohnern orientiert ist, sondern vorwiegend an den weit über 10 Tsd. Touristen die jährlich den Ort überschwemmen. es gibt Dutzende Gaststätten und Bars, Supermärkte und Vergnügungsangebote.

Als wir unsere Räder im Zentrum abstellen wollten, stellen wir beide fest, dass wir die Schlüssel für die Fahrradschlösser in unserer Unterkunft haben liegenlassen. Also fahre ich die sechs Kilometer zurück und Jana geht inzwischen ihrem Traum vom Baden in der Ostsee nach. Nachdem ich in für Jana unerwartet kurzer Zeit wieder zurück bin, setzen wir uns im Zentrum in einen großen Freisitz und essen mal ausgiebig ungesund. Jana hat sich aus Mangel an Alternativen eine Pizza Calzone bestellt, die ungewöhnlicherweise mit Spaghetti Bolognese gefüllt ist. Ich habe mir einen Burger mit Pommes frites servieren lassen, der zwar meinem Appetit entsprach, aber nicht unbedingt meinen Ernährungsvorhaben.

Nach dem Abendessen machten wir noch einen Spaziergang und Jana zeigte mir, wo sie in der Ostsee gebadet habe. Sie fand das Wasser aber noch eiskalt und das Bad kann daher nicht allzu ausführlich gewesen sein. 2014 hat man Marielyst stark umgestaltet. Das Zentrum mit der Hauptstraße ist zu einer Fußgängerzone geworden , überall gibt es neue Bänke und andere Sitzflächen aber auch an der Küste hat man mit einem Runden Metallsteg sozusagen ein Schwimmbad mit relativ preiswerten Mitteln gebaut, dass von Kindern und Jugendlichen lebhaft angenommen wird.

danach geht es wieder zurück in unsere Unterkunft.

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