13. Tag. Geschafft! – Dessau (12,9 Km)

von 27. Mai 2026Aktuelles

Als wir aufwachen jammert Jana über Jucken an mehreren Stellen ihres Körpers. Sie diagnostiziert dann Flohstiche. Wir registrieren dann, dass ich wohl auch betroffen bin. Wir müssen also in irgendeiner Unterkunft eine Begegnung mit einem oder mehreren Flöhen gehabt haben. Nun ja, so etwas kann immer passieren und ist ja auch nicht lebensbedrohlich. Da Jana wider besseres Wissen immer kratzt, juckt es sie natürlich noch mehr. In dieser Beziehung bin ich ausnahmsweise mal vernünftiger, so dass mich die blöden Flohstiche nicht weiter belasten.

Nach dem vorzüglichen Frühstück im Radisson „Fürst Leopold“ schnappen wir uns unsere Räder und fahren gepäckfrei zu unserem Ziel, der Muldemündung. Es sind ca. sechs Kilometer und die meiste Zeit geht es auf einem straßenbegleitendem Radweg entlang der B 184. Dann geht es von der Straße ab und unter ihr durch. Eigentlich ist ein Weg zur Muldemündung ausgewiesen, als wir aber auf das letzte Stück abbiegen wollten, ist kein Weg da, sondern nur ein zugewachsener Graben. Ich suche also nach Alternativen und finde einen Weg zu der Eisenbahnbrücke, die hier kurz vor der Mündung die Mulde überquert. Jana ist erst einmal skeptisch, den unebenen Weg zu fahren. Dennoch gelangen wir zu der Brücke und kommen von dort an das Ufer der Mulde, von wo man die Mündung sehen kann. Während mir das genügt hätte, ist nun Jana voller Tatendrang und will zu Fuß die noch etwa dreihundert Meter zur Mündung gehen. Wir kommen zwar nur etwa 200 Meter voran, weil dann auf dieser Seite der Mulde alles zugewachsen ist. Dennoch hat sich dieser Ausflug gelohnt wie man vielleicht an den Bildern erkennen kann. Nachdem wir uns gratuliert haben, dass wir dies nun nach ca. 455 Kilometern geschafft haben, kehren wir ins Hotel zurück, kaufen uns aber vorher noch bei ALDI einen kleinen Sekt, um auf unserem Zimmer noch einmal auf unseren Erfolg anstoßen zu können.

Zurück im Hotel trinken wir also erst einmal ein Gläschen Sekt, nein es waren sogar zwei und stellen fest, dass wir dann doch etwas müde sind und machen erst einmal ein Nickerchen. Als wir aufwachen merken wir natürlich, dass wir jetzt auch Hunger haben, denn es ist ja gerade Mittagszeit. Also machen wir uns auf den Weg in die Stadt, aber wir sind erst mal fast überwältigt von den Temperaturen, die inzwischen bei 29° liegen. Zum Essen werden wir dann im Rathaus Center fündig bei einem asiatischen Imbiss und bekommen für 10 € für uns beide eine sehr gute Suppe für Jana, deren Namen ich vergessen habe und einen Salat mit gebackenen Hähnchenbrustscheiben für mich. Hat beides gut geschmeckt.

Da wir schon dort sind gehen wir zunächst in die Altstadt und schauen am Rathaus vorbei. Das Rathaus erinnert etwas an das Leipziger Rathaus und ist auch in etwa zur gleichen Zeit, zwischen 1898 und 1901 erbaut worden. Der Rathausturm ist ist mit 73 Metern der höchste Turm in Dessau-Roßlau. Neben dem Rathausturm steht übrigens eine Skulptur von Michail Gorbatschow, die wohl zum 20. Jubiläum der Wiedervereinigung gestiftet wurde. Erkennbar ist er nur schwer. Wir wandern weiter zur ursprünglich katholischen, seit 1534 evangelischen ehemaligen Schloss- und Stadtkirche St. Marien. Sie wurde bei den Luftangriffen auf Dessau im März 1945 zerstört und erst in den 1990er Jahren wieder aufgebaut. Die Kirche wird heute nicht mehr als Gotteshaus genutzt, sondern ist heut ein Veranstaltungszentrum, weshalb wir auch nicht rein können. Hier ist seit 2022 dass Mitteldeutsche Theater unter Leitung Dieter Hallervordens untergebracht, der uns auf einem Plakat vom Kirchturm in seiner unverwechselbaren Art zugrinst.

Auf dem Platz vor der Kirche steht ein Denkmal Fürst Leopolds von Anhalt-Dessau der, wie damals nicht unüblich, einer der wichtigsten Feldherren unter dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und seinem Nachfolger Friedrich dem Großen war. Eher bekannt ist er dann auch unter seinem späteren Spitznamen „Der alte Dessauer“. Auf der anderen Seite erhebt sich dann der letzte Rest, ein Seitenflügel, des früheren Dessauer Residenzschlosses, das als einziger Teil wieder errichtet und heute als Museum genutzt wird.

Nach dieser ersten Runde zieht es uns nun natürlich auch zum Bauhaus. Da wir in der Hitze schon etwas erschöpft sind, fahren wir mit dem Bus zunächst zu den sogenannten Meisterhäusern. Die Meisterhäuser in Dessau sind eine kleine Siedlung aus drei identischen Doppelhäusern und einem Einzelhaus, die als Wohngebäude für die Meister und den Direktor des Staatlichen Bauhauses nach Entwürfen von Walter Gropius 1925 bis 1926 errichtet wurden, nach dem das Bauhaus finanziell und politisch von der schon nationalsozialistische geprägten Thüringer Regierung unter Druck gesetzt wurde und das Bauhaus nach Dessau umgezogen war. Hier hatte der Flugzeugbauer Hugo Junkers eine Förderung angeboten und es herrschte in dieser Industriestadt noch ein stabile sozialdemokratische und liberal orientierte Mehrheit. Leider kommen wir etwas zu spät, um die Meisterhäuser noch von innen zu besichtigen. Immerhin gestattete man mir noch einen Toilettenbesuch im Direktorenhaus Walter Gropius, wo heute die Kasse für den Besuch der Meisterhäuser ihren Sitz hat.

Weiter ging es dann zu Fuß zum nur einige hundert Meter entfernte berühmten Bauhausgebäude. Auch hier durften wir nicht mehr hinein. Das ermöglichte uns aber die Umgebung mal etwas näher zu erkunden und wir wanderten entlang der Bauhausstraße und entdeckten noch viele Außenstellen des Bauhauses, die natürlich auch im Bauhausstil errichtet wurden. Allerdings trieb und die Hitze nun doch wieder zurück ins Hotel, wo wir noch einen kleinen Stopp am gewaltigen Anhaltischen Theater direkt neben unserem Hotel machten. Mit einem Fassungsvermögen von etwa 1100 Zuschauern und mit einer der größten Drehbühnen Deutschlands gehört dieses Theater eines der einstmals kleinsten Länder des Reiches zu den größten Bühnen in Deutschland.

Nun aber genug für heute. Wir genossen zunächst unser obligatorisches Bier im Hotel und, nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, marschierten wir noch einmal in die Stadt und kehrten bei Peter Pan eine, einem Burgerladen, der sich dadurch auszeichnet, dass er angeblich gesündere Bürger herstellt als die übrigen Burgerläden, was ich bezweifle!, der aber doch beachtliche Preise hat, die meines Erachtens dem Preis-Leistungsverhältnis nicht gerecht werden.

Soviel für heute. Morgen geht es dann zurück nach Leipzig. Vielen Dank an alle, die uns auf dieser Tour entlang der Mulde begleitet habe. Ab 8. Juni soll es auf die nächste Tour gehen. Lasst euch überraschen.

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