10. Tag (04.09.2026): Höxter und Kloster Corvey

By 7. September 2026Aktuelles

Tagesstrecke: 6,8 Km

Besuch des Klosters/Schloss Corvey

Heute besuchen wir das ehemalige Benediktinerkloster und heutige Schloss Corvey. Die Geschichte Corveys zu erzählen wäre eine Sisyphos-Arbeit, deshalb hier nur einige Stichpunkte. Die ehemalige reichsunmittelbare Benediktinerabtei liegt direkt am Westufer der Weser auf dem Gebiet der heutigen Stadt Höxter. Wir fahren gerade mal 2,5 Km, um es zu erreichen Die UNESCO verlieh dem Westwerk der Stiftskirche sowie der Civitas (Bürgerschaft) Corvey im Juni 2014 den Status eines Weltkulturerbes.

Corvey war ein bedeutendes karolingisches Kloster und verfügte über eine der wertvollsten Bibliotheken des Landes. Die Abtei entwickelte sich im 9. und 10. Jahrhundert zu einem kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum im Gebiet der Sachsen. Später baute es als „keyserliches und hochfürstliches Stift Corvey“ ein geschlossenes Territorium auf, verlor aber im Spätmittelalter an Bedeutung.

Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges waren existenzbedrohend. Ab dem späten 17. Jahrhundert erfolgte jedoch der Wiederaufbau der Kirche und der Klostergebäude im Stil des Barock. In der Folgezeit verlor die Abtei wieder an Bedeutung und Anziehungskraft. Bereits 1803 wurde die territoriale Selbständigkeit vom Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben, das Bistum blieb aber bis 1825 bestehen. 1820 kam Corvey in den Besitz des Landgrafen Viktor Amadeus von Hessen-Rotenburg. Durch Erbgang gelangte Corvey an die heutigen Eigentümer, die Herzöge von Ratibor aus der Linie Hohenlohe-Schillingsfürst. Seit 2009 hat der letzte Erbfolger der Herzöge seinen einzigen Wohnsitz nach Corvey verlegt.

Soviel zur Geschichte Corveys.

Unsere Besichtigung beginnt im sogenannten Westwerk. Es ist das älteste heute noch erhaltene Bau der Anlage, das als eigenständiger Bauteil der ehemaligen Klosterkirche im Westen vorgelagert wurde. Als Dreiturmanlage wurde dieses karolingische Westwerk im 9. Jahrhundert mit zwei Fassadentürmen und einem mittleren quadratischen Turm erbaut. es handelt sich also um eine Gebäude aus der karolingischen Zeit. Im 12. Jahrhundert fand der Umbau zu einer Doppelturmfassade statt. Im direktem Anschluss daran gelangt man in die nach 1667 erbaute St.-Stephanus-und-Vitus-Kirche. Es ist ein Saalbau in einem gotisierenden Stil. Die Kirchenfenster sind hohe zwei- und dreiteilige Spitzbogenfenster. Die reiche und wuchtige Innenausstattung ist aber aus der Zeit des Barock. Hier fallen unsere Blicke insbesondere auf den mächtigen Hochaltar und die beiden Seitenaltäre aus dem 17. Jahrhundert. Die Orgel wurde 1681 von dem Orgelbauer aus Höxter erbaut. Im Turm der Klosterkirche hängt ein sogenanntes vierstimmiges Geläut, zu dem drei historische Glocken zählen.

Von der Kirche geht es in den Kreuzgang mit seinem Triumphkreuz, von dem man den sogenannten Friedensgarten betritt mit einer Skulptur des Gekreuzigten. Vom Kreuzgang gelangen wir dann in die Äbtegalerie mit allen Bildnissen sämtlicher Äbte, die Corvey leiten durften. Es waren insgesamt über 60. Die meisten dieser Porträts entstammen wohl der Phantasie des Malers. Lediglich die letzten Porträts können wohl eine gewisse Authentizität der Physiognomie für sich in Anspruch nehmen. Von hier aus geht es in den Geweihgang, dessen Namen sich unschwer aus der Dekoration des Ganges mit herzoglichen Jagdtrophäen ergibt. Von hier geht es in die fürstlichen Salons. Sie waren die ursprünglichen Wohnstätten der Herzöge nach der Säkularisation und der Aufgabe des Klosterbetriebs. Besonders hervorzuheben ist dabei der Kaisersaal mit Porträtfresken zahlreicher deutscher Kaiser beginnend mit Karl dem Großen.

Beeindruckend bleibt dann noch die fürstliche Bibliothek Corveys. Der Bibliothekar war von 1860 bis zu seinem Tod 1874, der hier nach seiner Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst eine neue Beschäftigung fand. Uns ist er eher bekannt als Verfasser des Deutschlandliedes, dessen dritte Strophe die heutige Nationalhymne ist. Die Bibliothek zieht sich über 15 Räume und befindet sich in Bücherschränken aus edlen Hölzern. Hoffmann von Fallersleben baute die Bibliothek auf 74.000 Bände aus. Sein Grab befindet sich auf dem kleinen Friedhof an der früheren Klosterkirche. Hie beenden wir unsere Tour und kehren danach noch in der Klostergaststätte ein und stärken uns mit einem frischen Salat und einem Bier vom Fass. Dann geht es zurück in unser Quartier.

 

Impressionen aus Höxter

Zu einer intensiveren Besichtigung in Höxter blieb leider keine Zeit. Hier aber einige Impressionen.

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