Tagesstrecke: ca. 9 Km zu Fuß
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die Altstadt. Wir gehen wieder zu Fuß, diesmal an der Vorderseite des Welfenschlosses vorbei. Hier stehen riesige Säcke mit Pflastersteinen, die die Sicht nicht gerade attraktiv gestalten. Offensichtlich soll hier der Vorplatz neu gepflastert und auch sonstige Renovierungsarbeiten vorgenommen werden. Einige Meter weiter stehen wir dann vor dem sehr schönen Rathaus, dass in seiner heutigen Form 1602 fertiggestellt wurde. Es ist ein Renaissancebau, der der sogenannten Weserrenaissance zugeordnet wird, mit einem prächtig gestalteten farbigen Eingangsportal was für uns leider verschlossen bleibt und einem ebenso schmucken Erker. Der Begriff der Weserrenaissance bezeichnet übrigens weniger eine besondere Stilrichtung als mehr ein ausgeprägtes regionales Vorkommen. Dies liegt wohl eher daran, dass man in der Region nach dem 30-jährigen Krieg nicht die Mittel hatte, beschädigte oder zerstörte Repräsentationsbauten im neuen und nun modernen Stil des Barocks zu ersetzen. Heute ist Markt auf dem Rathausplatz, der den Blick auf das Gebäude leider etwas beeinträchtigt.
In der hier durch einen Seiteneingang zu erreichenden Touristeninformation lassen wir uns einiges Infomaterial geben. Hier ist ein ziemliches Gewühle. Offensichtlich sammeln sich gerade die geführten Stadtrundgänge. So wuseln hier viele ältere Menschen herum, die einen ziemlichen Krach machen und meistens die Wege verstopfen. Schon bei der ersten Sichtung der Touristeninformationen können wir feststellen, dass die Stadt wenig Besonderes zu bieten hat außer sich selbst. Die Altstadt ist ein geschlossenes Ensemble aus Fachwerkhäusern, von denen einige bis zu 600 Jahren alt und viele farblich und ornamental künstlerisch sehr aufwendig gestaltet sind.
Unser erster Weg führt uns aber nun erste einmal an den Zusammenfluss von der Fulda und der Werra zur Weser. Dazu gehen wir etwa 500 Meter über zwei Inseln zum sogenannten Weserstein, der den Zusammenfluss markieren soll und auf dem ein Vierzeiler in Reimform dieses Ereignis würdigt. Wir verweilen hier etwas und gehen dann wieder zurück in die Altstadt, wo wir nun mindesten einem halben Dutzend geführten Seniorengruppen begegnen.
Da wir das Rathaus nicht besichtigen können, dort soll es im Rathaussaal gebrannt haben, Besuchen wir als nächstes die St.-Blasius-Kirche hinter dem Rathaus im Zentrum der Altstadt. Sie ist eine dreischiffige gotische Hallenkirche. Die Kirche wurde in ihrer heutigen Form zwischen 1260 und 1584 in drei Bauabschnitten errichtet, von denen der letzte Bauabschnitt die Vollendung des Kirchturms war. Beeindruckend und sofort ins Auge fallend sind die 12 Meter hohe barocke Altarwand aus den Jahren 1695 bis 1700 und die riesige Orgel über dem Eingangsportal an der Westwand der Kirche. Eine freundliche Dame, die hier offensichtlich die Aufsicht hat, nimmt sich unserer an und erläutert uns zahlreiche Details. Bemerkenswert sind das bronzene Taufbecken aus dem 14. Jhdt. und der Sarkophag für Herzog Wilhelm II. von Braunschweig und Lüneburg u Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg Göttingen aus dem 15. Jhdt. Über der Orgel kann man bei genauem Hinsehen noch eine alte Wandmalerei erkennen, auf dem Maria dem Jesuskind einen Apfel reicht.
Wir verweilen eine ganze Weile in der Kirche, was auch an den interessanten Erzählungen der Dame liegt, die uns unter ihre Fittiche genommen hat. Da es aber nun auf 12 Uhr zugeht, zieht es uns zum Rathaus, wo um 12 Uhr ein Glockenspiel mit einer Szene aus dem Leben des Doktor Eisenbarth. Johannes Andreas Eisenbarth war ein deutscher Handwerkschirurg, der durch seine Heilerfolge große Berühmtheit erlangte. So zeigt die Szene des Glockenspiels Einen vor Angst zappelnden Mann auf einen Stuhl und ihm gegenüber kommt Dr. Eisenbarth mit einer riesigen Zange und einem etwa kopfgroßen Zahn auf ihn zu. Der Fortgang und der Ausgang der Operation werden allerdings nicht gezeigt. Eisenbarth war zu seiner Zeit sehr umstritten, genoss aber wegen seiner therapeutischen Erfolge auch hohe Anerkennung wie die zahlreichen Titel auf seinem Grabstein dokumentieren.
Mit Hann. Münden hatte Eisenbarth eigentlich nicht viel zu tun, außer dass er hier am 11. November 1727 nach einem Schlaganfall starb. Das reichte aber Hann. Münden, ihn für sich zu vereinnahmen. Selbst der Rathausplatz ist inzwischen nach ihm benannt. So findet sich auch an der Fassade seines Todeshauses eine Skulptur von ihm und an der nahegelegenen Ägidienkirche findet man sein Grabmal. Auch als Touristenführer in Hann. Münden hat er sich inzwischen einen Namen gemacht.
Nachdem wir uns das Glockenspiel angehört und -gesehen hatten, machten wir in dem an der Ecke liegenden Lokal mit dem interessanten Namen „Ritter der Rotwurst“ unsere Mittagspause. Die Fleischerei wirbt damit, dass sie zahlreiche Europameistertitel für ihre Bratwürste erworben hat. Wir bestellen uns daher natürlich eine Bratwurst ergänzt mit Sauerkraut und Kartoffelpüree. Sowohl die Bratwurst als auch die Beilagen waren köstlich.
Danach geht es noch ein Runde durch die Altstadt bis wir wieder im unseren Gasthof gehen, um ein wenig Siesta zu machen. Abends fahren wir dann mit den Fahrrädern noch einmal in die Stadt und kehren bei einem Italiener unweit der alten Werrabrücke ein.
- Die Vorderseite des Welfenschlosses
- Dr. Eisenbarth als Stadtführer
- Brücke über den Mühlenarm über die man zum Weserstein gelangt
- Der Weserstein – rechts die Werra, links die Fulda und Vorne die Weser.
- Die St. Blasius-Kirche
- Blick auf die Orgel
- Darüber das freigelegte Wandgemälde aus dem Mittelalter, auf dem Maria dem Jesuskind einen Apfel reicht
- Das Taufbecken
- Die Kanzel
- Der ältere Flügelaltar
- Der Sarkophag Wilhelm II:
- Epitaphe
- Das Rathaus
- Das Eingangsportal des Rathauses
- Erker am Rathaus
- Szene des Glockenspiels am Rathaus
- Sterbehaus Dr. Eisenbarths
- Die Figur an der Hauswand
- Die Ägidienkirche
- Das Grabmal Dr. Eisenbarths
- Die alte Werrabrücke





































