7. Tag: Von Eibenstock nach Zwickau (46,9 Km)

Nach einer gut durchschlafenen Nacht und einem exzellenten Frühstück machen wir uns auf den Weg, heute mit dem Ziel Zwickau, der viertgrößten Stadt in Sachsen und auch nahe der Mulde gelegen. Das Wetter wird immer besser, es wird wärmer und heute steigen die Temperaturen auf 17 Grad. Obwohl gestern noch zahlreiche Schauer angesagt waren, bekommen wir heute davon wenig mit. Zwar fallen einige Tropfen als wir losfahren, dass ist aber nach fünf Minuten schon wieder vorbei. Ansonsten bekommen wir die nächsten Tropfen erst ab als wir vor unserem Hotel in Zwickau stehen. Auch hier hält das aber nicht lange an.

Zunächst ging es zu einem Bäcker in Eibenstock, aber Jana bekam nur lieblos bestrichene Brötchen, eines mit Leberwurst für mich und eins mit Schmelzkäse. Auch das war offensichtlich nur möglich, nachdem sie gefragt hatte, ob, da es keine belegten Brötchen gab, sie uns denn zwei Brötchen belegen könnte und auf die Bemerkung der Bäckerin, dass sie Kunden zu bedienen habe, Jana darauf hinwies, dass doch gar kein anderer Kunde im Laden sei. So hatten wir zumindest eine Notversorgung.

Von Eibenstock ging es dann sehr schnell und steil etwa vier Kilometer hinunter nach Blauenthal an der Mulde. Wir ließen dann auch den Blauenthaler Wasserfall links liegen, nachdem Jana darauf hingewiesen hatte, dass es in Island, was nächstes Jahr auf unserer Reiseplanung steht, viel schönere Wasserfälle gäbe. Das war natürlich ein durchschlagendes Argument. Unten an der Mulde fuhren wir dann auf einem fantastisch ausgebauten Radweg auf einer alten Bahntrasse, der uns etwa 12 Kilometer immer leicht bergab bis in die Innenstadt von Aue führte. Der Weg war sehr schön asphaltiert und führte sogar durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel. Für mich einer der besten Radwege, auf denen ich bisher gefahren bin.

In Aue suchten wir dann ein Café und fanden das Samocca, wo wir einkehrten. Ein hübsch gestaltetes Café, wo die Bestellung etwas schwierig war, weil man uns einen Zettel in die Hand drückte, auf dem wir ankreuzen bzw. eintragen sollten, was wir wollten. Mir viel auf, dass die Bedienungen auch Artikulationsprobleme hatten und deshalb vertiefte ich mich, nachdem wir gewählt hatten, erst einmal in die Einleitung der Speisekarte und stellte fest, dass der Träger des Cafés ein Franchiseprojekt der INVITAS-Lebenshilfewerk gemeinnützige GmbH Schneeberg ist, die hier für die Region Angebote für Menschen mit Behinderung in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Freizeit und Betreuung anbieten. Grundsätzlich sicher erst mal nicht schlecht. Wir waren sowohl mit dem Kaffee als auch mit dem veganen Cookie auch zufrieden und das Bedienpersonal war ausgesprochen freundlich.

Nach Aue war die Route leider nicht mehr ganz so schön wie auf dem Bahntrassen Radweg. Zum einen fuhren wir nun überwiegend auf Straßen mit Verkehr, zum anderen gab es nun wieder einige starke Steigungen. Zweimal mussten wir schieben, einmal sogar etwa einen Kilometer mit 14 % Steigung. Selbst zum Schieben ist eine solche Steigung nicht gerade angenehm. Freilich gehört das auf solchen Touren mit Gepäck gelegentlich dazu. Wir machten noch kurz einen Stopp beim Schloss Stein. Betrachteten es aber nur von außen. Leider ließ man uns nicht mal einen Blick in den Schlosshof werfen, weil wir keine Schlossbesichtigung gegen Eintritt machen wollten. Ich hatte ein gewisses Verständnis dafür, während Jana das Verhalten unmöglich fand. Allerdings konnte ich sie dann doch wieder beruhigen.

Gegen 15 Uhr kamen wir in dem gebuchten B&B Hotel in Zwickau direkt neben dem Dom an. Es ist ein recht einfaches Hotel, aber wie alle B&B Hotels sind die Adressaten weniger auf Urlauber, sondern eher Geschäftsreisende oder Leute auf der Durchreise. Insofern sind sie eher praktisch denn  gemütlich eingerichtet. Freilich haben auch diese Hotels in der Pfingstwoche ihren stolzen Preis. Wir werden hier zwei Nächte bleiben und uns morgen Zwickau etwas genauer anschauen. Nachdem wir eingecheckt hatten, machte Jana erst mal einen Nickerchen, während ich eine Flasche Rotwein und ein Bier beim gegenüberliegenden ALDI erwarb. Das Bier nach einer Fahrradtour gehört inzwischen zu unseren Ritualen.

Danach machten wir einen Spaziergang durch die Stadt und ich zeigte Jana die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Innenstadt von außen, weil um 17 Uhr alles schließt. So gingen wir um den Dom, warfen einen Blick auf die Priesterhäuser. Es soll das älteste noch vorhandene Wohnhausensemble in Deutschland sein. Dann ging es vorbei am Max- Pechstein-Museum, dessen Namensgeber auch einer der berühmten Söhne der Stadt ist, ebenso wie Robert Schumann, an dessen Wohnhaus wir vorbei gingen und das Jana auf ihre Favoritenliste neben dem August Horch Museum gesetzt hat. Schließlich gingen wir noch am Rathaus mit seiner klassizistischen Fassade aus dem 19. Jhdt. vorbei, warfen einen Blick auf das Theater und wanderten schließlich zur Katharinenkirche, an der Thomas Müntzer kurze Zeit als Prediger angestellt war, bevor er auf Betreiben des Zwickauer Rates wegen seiner reißerischen Reden, die bei Bauern und Handwerkern Anklang fanden, vom Rat der Stadt Zwickau abgesetzt wurde.

Auf dem Weg zur Katharinenkirche kamen wir auch an einem dreistöckigen Wohnhaus aus DDR-Zeiten vorbei. Jana bemerkte dazu, dass es ja immerhin gut sei, dass man hier die Altstadt nicht mit einem achtgeschossigen Plattenbau verschandelt habe. Als ich noch mit ihr diskutierte, dass man die Plattenbauten ja ohnehin nicht in die Zentren der Städte gesetzt habe, bogen wir um die Ecke und standen plötzlich vor einem achtgeschosser Plattenbau. Wir mussten beide lachen, zumal sich noch ein bandwurmartiger Zehngeschosser anschloss.

Zum Schluss warfen wir noch einen kurzen Blich auf und in den Innenhof von Schloss Osterstein, ein ehemaliges Residenzschloss der Zwickauer Wettiner. Heue ist hier ein Seniorenwohnheim und ein Seniorenpflegeheim untergebracht. Nun mussten wir aber schnell wieder ins Hotel zurück, weil es anfing zu regnen. Am Abend gingen wir zum dinieren in in den Wenzel Prager Bierstuben. Es gab wieder Böhmisches. Jana blieb beim Gulasch mit Sauerkraut und böhmischen Knödel und ich nahm lediglich ein anderes Fleisch, nämlich eine kleine Grillhaxe. Wir waren wieder einmal sehr zufrieden mit der böhmischen Küche.

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