5. Tag: Von Döbeln nach Grimma/Leipzig (43,3 Km)

Das Wetter hat sich verändert. Es ist deutlich wärmer geworden und heute Morgen ist der Himmel über Döbeln leuchtend blau. Im Laufe des Tages wird es heiter bis wolkig, aber die Sonne überwiegt. Bevor wir weiter fahren, machen wir noch einen kurzen Spaziergang ins Zentrum der 23 Tsd. Einwohner Stadt, dass mit Rathaus und Kirche nur wenige Meter von unserem Hotel, dem Döbelner Hof, entfernt liegt. Auch diese Stadt strahlt inzwischen eine Gepflegtheit aus und man sieht nur noch wenige heruntergekommene Häuser. Das Rathaus wirkt für so eine kleine Stadt, die auch nie sehr viel größer war, sehr mächtig. Unweit davon steht die ebenfalls sehr herausragende Nikolaikirche.

An Sehenswürdigkeiten hat Döbeln recht wenig zu bieten. Hervorgehoben werden der Döbelner Stiefel und die immer noch aktive Pferdebahn. Um auf ihr Handwerk aufmerksam zu machen, hatten die Handwerkszünfte seit jeher winzig kleine und übergroße Gegenstände angefertigt. Nachdem bereits in Görlitz um 1860 und in Dresden 1914 Riesenstiefel gefertigt wurden, schufen in dieser Tradition 1925 sechs Schuhmachermeister zum 600-jährigen Bestehen der Döbelner Schuhmacherinnung in 750 Arbeitsstunden den Döbelner Riesenstulpenstiefel mit einer Sohlenlänge von 1,85 m und einer Höhe von 2,48 m. Der dem damaligen Reichspräsidenten gewidmete Hindenburg-Stiefel wurde nach den Feierlichkeiten vom Döbelner Wettinplatz ins Rathaus gebracht und geriet dort in Vergessenheit, kann aber immer noch besichtigt werden. Leider hatte das Rathaus heute am Sonntag geschlossen. Als wir gestern in Döbeln ankamen hatte ich mich darüber gewundert, dass es noch Straßenbahnschienen in Döbeln gab. Die Dame an der Rezeption unseres Hotels klärte mich dann auf, dass wir keine Angst um unsere Nachtruhe haben müssten. Es gäbe einen Traditionsverein Döbelner Pferdebahn, die jeden Samstag im Sommer einen alten Straßenbahnwagen von einem Pferd durch die Stadt ziehen ließe und auf der jeder dann mitfahren könne.

Nachdem wir uns so etwas näher mit der Stadt vertraut gemacht hatten, machten wir uns auf unseren heutigen Weg auf nach Grimma. Zunächst genossen wir es, dass die bergigen Strecken nun hinter uns lagen und es weitgehend ohne nennenswerte Anstiege durch das Muldetal ging. Bei diesem Wetter hatten wir natürlich auch ein sehr farbiges Bild von der Landschaft überall blühte es, aber am meisten prägten die gelben Rapsfelder die Sicht. ich habe ja schon öfter betont, dass für mich die Zeit der blühenden Rapsfelder die schönste Zeit im Jahr ist.

An zwei Orten machten wir heute Station. Zunächst stoppten wir im Kloster Buch. Das Kloster Buch ist ein ehemaliges sächsisches Zisterzienserkloster, das als Kloster „St. Marien“ im 12. Jahrhundert gegründet wurde und heute im Ortsteil Klosterbuch der Stadt Leisnig liegt. Nach der Reformation wurde es mit seinen Ländereien zu einem rein landwirtschaftlichen Betrieb. Heute wird unter der Führung des Fördervereins Kloster Buch e. V. die Klosteranlage ihren historischen Wurzeln getreu erhalten und restauriert sowie den Besuchern zugänglich gemacht. Oft finden hier regionale Märkte statt. Heute kamen wir zu einem Kloster- und Gartenmarkt. So konnten wir uns für 8 € Eintritt auch ein wenig umsehen. Der Markt war ausgesprochen gut besucht, so dass auch uns die Marktstände dann doch mehr Aufmerksamkeit abverlangten als das Kloster. Wir schlenderten etwa eine Stunde durch das Areal, genehmigten uns dann noch eine angeblich Thüringer Bratwurst und setzten dann unseren Weg fort.

Nach Leisnig fuhren wir dann nicht hoch, aber da der Mulde-Radweg nahe an dem Ort vorbeiführt gelang uns auf jeden Fall noch ein Blick auf die sehenswerte Burg Mildenstein. Zu dem Ort habe ich insofern ein besonderes Verhältnis, weil mein Vater hier  sein Wehrdienst 1937-39 seinen Wehrdienst verrichtete und danach gleich zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Als er dann zu seinem Glück, so zumindest die Familienfama, 40 Kilometer vor Stalingrad verwundet wurde, lag er hier in Leisnig mehre Wochen im Lazarett. Nicht unwahrscheinlich, dass es mich gar nicht gäbe, wenn mein Vater nach Stalingrad gekommen wäre.

Weiter geht es nun entlang der Mulde. Wir machen noch einen Abstecher zum Wasserschloss Podelwitz, dass direkt an der Mulde liegt. Da ich schon öfters dort war, wusste ich, dass es ein ganz idyllische Café gibt. So genossen wir im Schlosshof jeder einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Es freute mich, dass Jana von dem Abstecher auch angetan war. Nun waren es noch etwa 10 Kilometer bis nach Grimma. wir fuhren am Zusammenfluss von Freiberger und Friedberger Mulde vorbei, weil zum einen bereits Ostern dort waren und dann auch nächste Woche hier noch einmal vorbeikommen werden. In Grimma hatten wir dann schnell einen Zug nach Leipzig und damit endete unsere Tour entlang der Freiberger Mulde. Wir unterbrechen hier für einen Tag, weil Jana morgen einen wichtigen Termin in Leipzig hat. Am Dienstag geht es weiter und wir fahren zunächst nach Schöneck im Vogtland und werden dort von der Quelle der Zwickauer Mulde aus die gesamte Mulde bis Dessau fahren.

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