Den heutigen Tag verbringen wir in Freiberg. Freiberg ist meines Erachtens immer eine Reise wert und für Jana ist es ohnehin das erste Mal. Freiberg ist eine adrette Kleinstadt mit etwas über 40.000 Einwohnern, aber einer bedeutenden Geschichte, aus der die Stadt heute noch touristisch und kulturell Kapital erträgt. So war Freiberg bis 1969 rund 800 Jahre vom Bergbau und der Hüttenindustrie geprägt. Seitdem findet ein Strukturwandel zum Hochtechnologiestandort im Bereich der Halbleiterfertigung und der Solartechnik statt, womit sich die heutige zum Silicon Saxony gehörig fühlt.
Bis in die Gegenwart spiegelt sich die Historie und der Strukturwandel in der 1765 gegründet Berg Akademie Freiberg (heute Technische Universität Bergakademie Freiberg) wieder. Übrigens haben hier als die wohl bedeutendsten Studenten auch Wilhelm von Humboldt und der russische Universalgelehrte und spätere Gründer der Moskauer Universität Michael Wassiljewitsch Lomonossow einige Zeit verbracht. Natürlich hat sich die Bekanntheit der Stadt und das Interesse an ihr vor allem auch dadurch entwickelt, dass sie 2019 von der UNESCO als sicher ein wesentlicher Bestandteil der „Montanregion Erzgebirge/Krusnohofi“ in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Weitere Bekanntheit hat Freiberg sicher auch durch die zahlreichen Romane von Sabine Ebert erfahren, die dieser Stadt, in mehreren ihrer Werke ein literarisches Denkmal gesetzt hat. dabei hat Sabine Ebert wohl auch einen sehr guten Ruf in Freiberg erworben. Sie macht hier häufig Lesungen und geht dann meist auch zu einer Stadtführung mit, wo sie dann an den entsprechende Stellen den Zusammenhang mit ihren Büchern und den dortigen Personen erzählt. Jana wollte Touristeninformation erfahren, wann diese Führungen auf den Spuren von Sabine Eberts stattfinden, denn wir hatten schon einige Termine gesehen. Im Touristeninformation wurde Jana aber mitgeteilt, dass in diesem Jahr schon alles ausgebucht sei. Die Mitarbeiterin erzählte uns sogar, dass die Termine meistens schon Minuten nach der Bekanntgabe ausgebucht seien. Vor diesem Hintergrund wundert es dann auch nicht, wenn man egal zu welcher Jahreszeit immer auf eine größere Anzahl Touristen in dieser Stadt stößt. Cafés und Gastronomie, aber auch Unterkünfte haben sich darauf eingestellt und sicher auch dafür gesorgt, dass sich in der Stadt ein gewisser Wohlstand entwickelt hat, der für das Ost Erzgebirge eher untypisch ist.
Das Interesse an der Stadt beruht allerdings sicher nicht darauf, das es hier besonders viel anzuschauen gäbe. Natürlich ist es angenehm durch diese sehr schön sanierte Stadt zu schlendern. Aber auch der von der Touristeninformation vorgeschlagene Stadtrundgang benennt zwar 16 Sehenswürdigkeiten, allerdings sind nur fünf davon als Hauptsehenswürdigkeiten ausgewiesen. Hervorzuheben sind insbesondere der Dom, der sicher eines der spannendsten und interessantesten Kirchengebäude in Sachsen ist. Ihn sich anzusehen ist auf jeden Fall ein Muss bei einem Besuch in Freiberg. Lohnenswert ist sicher auch ein Besuch des Stadt- und Bergbaumuseums in einem der Domherrenhäuser direkt neben dem Dom. Die beiden übrigen Hauptsehenswürdigkeiten sind das Schloss Freudenstein, dass aber mit seiner umfassenden Mineraliensammlung sicher nicht das Interesse von jedermann finden kann, für Fachleute allerdings sicher ein seltenes Eldorado sein wird. Schließlich bleibt noch das Rathaus mit dem Denkmal Ottos des Reichen, dem Gründer der Stadt Freiberg.
Unser heutiger Stadtspaziergang beginnt denn auch im Dom. Für die Besichtigung sind fünf Euro zu entrichten. Dafür kann man sich auch einen Audio Guide auf sein Handy runterladen. Das ist für mich auf jeden Fall sehr praktisch, weil ich dann den Guide über meine Kopfhörer sprechen höre. Im übrigen ist der Guide sehr präzise und ausführlich und man bekommt durch ihn einen guten Überblick über die wesentlichen Schätze des Domes.
Highlights des Domes sind sicher die Goldene Pforte, die Kurfürstliche Grablege der Wettiner und die Tulpenkanzel. Um 1180 wurde in dem jungen Freiberg eine romanische Basilika errichtet. Die Kirche wurde während eines großen Stadtbrandes 1484 fast völlig zerstört.Lediglich Triumphkreuzgruppe (1225), die Goldene Pforte (1230) und Teile des Chores blieben erhalten. An gleicher Stelle erfolgte der Neuaufbau des Domes St. Marien als dreischiffige, sechsjochige spätgotische Hallenkirche.
Die Goldene Pforte im Freiberger Dom ist ein spätromanisches, 1225 geschaffenes Rundbogen- Sandsteinportal an der Südseite des Domes. Es zeichnet sich durch eine Skulpturenvielfalt und reich verzierte Säulen aus. Die Goldene Pforte gilt als das erste vollständige deutsche Statuenportal.
Hervorhebenswert ist sicher auch der Chor, der von 1541 bis 1696 als Grablege für 38 Mitglieder der sächsischen Fürstenfamilie fungierte, darunter acht Kurfürsten, zwei Herzöge, zehn Frauen und achtzehn Kinder im Alter von nur wenigen Wochen bis elf Jahren. Die Beisetzungen im Freiberger Dom endeten mit dem Übertritt Augusts des Starken zum römisch-katholischen Glauben.
Weiteres Highlight ist die Tulpenkanzel aus dem Jahre 1505. Die Tulpenkanzel ist eines der bekanntesten Kunstwerke des Domes. Sie wird als Höhepunkt seines Schaffens dem Bildhauer H. W. (vermutlich Hans Witten von Köln) zugeschrieben – eine Identifizierung die allerdings umstritten ist. Das besonders feingliedrige Werk nutzt die Grenzen des dem Stein Zumutbaren bis zum Äußersten aus und entstand wahrscheinlich zwischen 1505 und 1510. Die Tulpenkanzel wird (abgesehen von eisernen Ankern) weder von einer Wand noch durch Pfeiler gestützt und so scheint es, als würde dieses die Kanzel wie ein Blütenkelch mit vier Stängeln aus dem Boden wachsen. Von der Tulpenkanzel finden Prdigten nur an besonderen Festtagen statt.
Die neben der Tulpenkanzel stehende aus Sandstein gefertigte Bergmannskanzel ist eine Stiftung des Freiberger Bürgermeisters Jonas Schönlebe und seiner Frau aus dem Jahr 1638. Sie zeigt am Kanzelkorb vollplastische Darstellungen der anbetenden Stifter vor einem Alabasterkruzifix. Die Kanzeltreppe wird von einer vollplastischen Figur eines Bergknappen in Arbeitstracht getragen, während der Kanzelkorb durch die Figur eines Steigers getragen wird. An der Kanzeltreppe und am Korb sind weitere Reliefdarstellungen der Passion Christi zu finden.
Schließlich bleibt noch die Hauptorgel zu erwähnen, auf der während unseres gesamten Rundgangs gespielt wird. In den Jahren 1710 bis 1714 erbaute Gottfried Silbermann eine Orgel mit 44 Registern. Es war wohl seine erste große Orgel und blieb das größte Werk, das er eigenhändig schuf. Das Instrument ist eine der berühmtesten Barockorgeln und eine der am besten erhaltenen Orgeln Silbermanns.
Nach dem Besuch des Domes, in dem wir über eine Stunde verbrachten, schlendern wir in Richtung Schloss und beschließen uns mit der Silberstadt Bahn eine Stunde durch Freiberg fahren zu lassen. Hinter her erwies sich das als keine so gute Idee, weil von den durch die Lautsprecher ertönenden Erläuterung durch das Geruckel und Geklapper kaum was zu verstehen war. Danach kehrten wir erst einmal in einem kleinen Weinbistro ein und ließen es uns bei Elsässer Flamkuchen und überbackene Spinat-Pasta sowie jeweils einem Glas Wein gut schmecken. Danach fühlten wir uns leicht ermüdet – woran das wohl lag ? – und zogen uns erst einmal auf unser Zimmer in der Pension Krone zurück und ruhten für zwei Stunden. Danach war es dann zu spät, um noch ins Museum zu gehen. So schlenderten wir noch durch die Stadt, ließen uns in einem der edlen Cafés der Stadt nieder und reservierten uns dann noch der Stadtwirtschaft von Freiberg, einem böhmischen Restaurant, einen Tisch für heute Abend.
Inzwischen liegt auch das Abendessen hinter uns, es war wirklich sehr lecker!, und wir sitzen auf unserem Zimmer und beenden den Tag mit der Weiterführung unserer Tagebücher.
- Der Dom ist nicht gerade ein das Stadtbild prägendes Gebäude
- Erst im Innenraum wird seine Größe klar. Hier Blick zur Silbermann-Orgel
- Blick in die andere Richtung zur Triumpfkreuz-Gruppe über dem Chor
- Die Triumphkreuzgruppe
- Die Goldene Pforte
- Das Thympanon der Goldenen Pforte.
- Das Taufbecken
- Blick auf das Garbgelege des Kurfürsten Moritz
- Blick auf einen Teil der übrigen Särge der Wettiner
- Die Tulpenkanzel
- Der Aufgang zur Tulpenkanzel
- Die Bergmannskanzel
- Hier wohl das Stifterpaar, ein ehemaliger Bürgermeister von Freiberg und seine Frau
- Die Pieta, hier auch Vesperbild genannt
- Die Silbermann-Orgel
- Das OIberbergamt
- Die Silberstadtbahn Freiberg, mit der wir eine Stunde durch Freiberg fuhren
- Denkmal für Wilhelm August Lampadius,
- dem Erfinder der Gaslaterne. Er war an der Bergakademie Professor
- Denkmal für Wilhelm von Humboldt
- Das Gebäude der Bergakademie, zu groß um es auf ein Foto zu bekommen
- Das Portal der Bergakademie
- Blick auf den Lomonossow-Platz
- Denkmal für Michael Wassiljewitsch Lomonossw. Einer der Spender Gazprom Deutschland
- Das Theater von Freiberg
- Schauspielerin vor dem Theater
- Die Nikolaikirche, leider verschlossen
- Der Obermarkt
- mit dem Rathaus
- und Otto dem Reichen
- Der Fortunabrunnen-auf einem Lebensbaum thront die Glücksgöttin Fortuna
- Beeindruckendes Portal
- Hier sprudelt Karl IV. König von Böhmen und ab 1355 auch römisch-deutscher Kaiser in einem böhmischen Restaurant in Freiberg





































