2. Tag: (10. März 2024) – Strasbourg und Fahrt nach Paris

Ich habe ausgezeichnet und acht Stunden durchgeschlafen und so meine Schlafdefizite von gestern Nacht weitgehend kompensiert. Zu meiner Freude und Überraschung lässt das Frühstücksbuffet im Ciarus auch keine meiner Wünsche offen. Es gibt Müsli, Wurst und Käse, viel frisches Obst, natürlich auch Rührei und vor allem guten Kaffee. Nur was das Brot betrifft, muss ich mich in Frankreich wieder umgewöhnen. Als jemand der gewöhnlich Roggenvollkornbrot schätzt muss ich mich nun wieder für die nächsten Wochen an Baguette gewöhnen. Aber das kenne ich ja bereits. Aber ich bin vor allem darüber überrascht, weil ich die Franzosen bisher nicht als Frühstücksliebhaber kennengelernt habe. Bei mir hat sich festgesetzt, dass die Franzosen morgens gerade mal ein Croissant oder etwas Baguette mit Marmelade zu sich nehmen und dazu einen Kaffee oder Espresso trinken.

Spaziergang zum Bahnhof

Bei meinem für heute geplanten Stadtrundgang will ich zunächst zum nahegelegen Bahnhof laufen, von dem ich heute kurz nach 18 Uhr dann nach Paris fahren werde. Der Weg führt durch das bürgerliche Viertel der Neustadt, das durch gründerzeitliche chique Wohnbebauung geprägt ist. Das Wetter hat sich leider etwas verändert. Statt Sonne bleibt der Himmel heute überwiegend wolkenverhangen. Aber es regnet nicht. Der Bahnhof macht auf den ersten Blick einen etwa futuristischen Eindruck. Er sieht aus wie ein ruhender Walfisch. Der alte Kern, der noch weitgehend vorhanden, ist, ist durch eine Glasfacettenhaube versteckt worden. Ob es tatsächlich Glas ist, habe ich allerdings nicht überprüft. Aber der alte Bahnhof ist dadurch weitgehend versteckt. Man sieht ihn kaum. Erst wenn man in die Glashaube eintritt, merkt und sieht man, dass der alte Bahnhof noch komplett erhalten ist. Ich orientiere mich ein wenig, ob auch Aufzüge zu den Bahnsteigen führen. Das ist offensichtlich der Fall. Dann versorge ich mich noch mit zwei Flaschen Wasser, die ich für den Tag brauche und verlassen dann den Bahnhof, um nun die Stadt weiter zu erkunden.

 

La Petite France (Das kleine Frankreich) 

Vom Bahnhof aus spaziere ich zu dem unweit gelegenen Viertel Le Petite France. Das Quartier ist geprägt durch alte Fachwerkhäuser aus dem 16. und 17 Jahdt. mit ihren hohen Spitzdächern. Es ist von vier Kanälen des Flusses Ill durchzogen. Während es früher lange Zeit ein Arbeiterviertel war und von den Straßburgern aber auch den Touristen weitgehend ignoriert wurde, ist es heute sicher eine, wenn nicht die Hauptsehenswürdigkeit von Strasbourg, wird hier doch das alte Frankreich lebendig.

 

Durch das Stadtzentrum Grand Ile – (Große Insel)

Neben dem Petite France liegt das gesamte Stadtzentrum von Strasbourg auf einer Großen Insel des Flusses Ill, eines linken Nebenflusses des Rheins, der weitgehend parallel zum Rhein verläuft und ca. 217 km lang ist. Ich laufe hier entlang der Rue de Grandes Arcades (Straße der Großen Arkaden), der Hauptmagistrale der Innenstadt.

 

Die Neustadt, das deutsche Kaiserviertel

Schon gestern habe ich in meinem Bericht darauf hingewiesen, dass Strasbourg auch heute noch auf die Bedeutung der Machtübernahme der Deutschen nach 1870 hinweist und sie für die Entwicklung der Stadt preist. Das lag vor allem daran, dass Straßburg zu einem Schaufenster des Deutschen Reiches werden sollte. In weniger als einem halben Jahrhundert erlebte die Stadt eine >Blüte, die ihre Fläche verdreifachte. Die Neustadt gilt sowohl in städtebaulicher als auch in architektonischer Hinsicht als vorbildlich. Sie ist gut erhalten und gehört ebenfalls zum dem Teil Strasbourgs der zum UNESCO Weltkulturerbe gezählt wird. Das Schaufenster dieses Viertels Reicht von der Place de la Republique entlang der Avenue de la Liberte bis zum Place de L´Universite. Leider habe ich nicht mehr so viel Zeit, mir alles genauer anzuschauen. Deshalb hier nur einige für mich eindrucksvolle Impressionen.

 

Das Europaviertel

Mein letzter Spaziergang führt mich ins Strasbourger Europaviertel. Da es etwas außerhalb liegt, erprobe ich mich an der Straßenbahn, die hier Tram heißt. Nach einiger Zeit habe ich das inzwischen voll automatisierte Verfahren verstanden. und gelange mit einem Mal Umsteigen ans Ziel. Strasbourg ist vor allem der offizielle Sitz des Europäischen Parlaments und Sitz des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Das Europäische Parlament hat allerdings inzwischen sowohl in Luxembourg als auch in Brüssel bedeutende Dependancen, was Europakritiker gerne und mit großem Erfolg als Beispiel für die Verschwendung von Steuergeldern der Europäischen Institutionen heranziehen. Darüber will ich hier aber nicht richten. Auffallend ist nur, dass am Europäischen Parlament schon wieder ein Großbaustelle ist.

 

Fahrt mit dem TGV nach Paris

Als ich dann nach einem längeren Aufenthalt in der Lounge meiner heutigen Unterkunft zum Bahnhof fahre, beginnt es zu regnen. Ich bin froh, dass ich relativ früh zum Bahnhof gefahren bin, weil der Regen immer stärker wir. Die Fahrt nach Paris verläuft dann unproblematisch, außer dass der Zugbegleiter erst mal nicht weiß, wo in dem Wagen, der mir auf meiner Fahrkarte zugewiesen ist, ein Fahrradplatz sein sollte. Schließlich finde ich ihn. Eine Bemerkung erlaube ich mir noch. Die TGV in Frankreich scheinen schon in die Jahre gekommen zu sein. Ich lobe zwar ungern die Bahn in Deutschland, aber der Komfort und die Bequemlichkeit ist in unseren ICE angenehmer.

Nach zwei Stunden erreicht der Zug Paris am Gare de Est, also am Ostbahnhof, wo die meisten Züge aus Richtung Deutschland ankommen. Zu meiner Überraschung sieht der Gare de Est noch genauso aus wie ich ihn von meiner letzten Reise nach Paris im Jahre 1976 in Erinnerung habe. Nachdem ich mein Gepäck wieder aufgeladen habe, begebe ich mich in den abendlichen Verkehr von Paris, was natürlich gewöhnungsbedürftig ist. Zwar gibt es überall Fahrradwege, sie sind aber sehr schmal und die französischen Radfahrer sind doch sehr eigenwillig. Nach dreieinhalb Kilometern komme ich aber unbeschadet an meinem gebuchten Hostel an. Ich habe nun für die nächsten Tage ein einfaches aber recht großes Einzelzimmer, bei dem man angesichts des Preise in Paris einige Mängel sicher nicht beanstanden kann.

Damit aber nun Schluss für heute!

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