Das Frühstücksbuffett im Hotel Union war recht ordentlich, so dass ich den Tag zufrieden beginnen konnte. Ich hatte schon gestern Abend einen Spaziergang durch Salzwedel gemacht und konnte feststellen, dass es sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert hat. Allerdings habe ich Salzwedel schon immer als ein sehr hübsches Städtchen empfunden. Es ist geprägt durch eine große Zahl von Fachwerkhäusern aber auch aus der jüngeren Zeit finden sich alle Baustile.

Eine besondere Kuriosität weist Salzwedel dadurch auf, dass sich 1247 in unmittelbarer Nähe der Altstadt eine Neustadt als geplante Gründung einer eigenen Stadt entstand. Beide Städte lagen innerhalb der Stadtmauer und erst im Jahre 1713 erlangte die Vernunft einen Durchbruch, beide Städte doch zu vereinen. Sichtbarer Ausdruck dieser Kuriosität ist, dass Salzwedel über zwei bedeutende Stadtkirchen verfügt. Zum einen die Marienkirche, die romanischen Ursprungs ist aber nach umfassenden Umbauten der Backsteingotik zugerechnet wird. Sie wurde 1150 zunächst als romanische Feldsteinkirche errichtet, im 14. Jahrhundert aber als dreischiffige Backsteinbasilika umgebaut. Zum anderen die Katharinenkirche, deren Ursprung ebenfalls romanisch ist und deren Baubeginn auf das Jahr 1280 datiert werden kann.

Zurück gehen die Stadtgründungen wohl auf die Nähe zur Burg, von der heute nur noch der Bergfried erhalten ist. Sie wurde ursprünglich wohl schon im 9.Jahrhundert zum Schutz der Handelswege errichtet und wurde im 12. Jahrhundert durch Albrecht den Bären ausgebaut. Ansonsten präsentiert sich Salzwedel als Stadt des Baumkuchens, der hier seit 1808 hergestellt wird.

Sicher noch erwähnenswert, dass Jenny von Westphalen, die spätere Frau von Karl Marx 1814 in Salzwedel geboren wurde. Ihr Vater war hier Landrat, wurde aber schon zwei Jahre später nach Trier versetzt, was die Begegnung mit Karl Marx sicher erleichterte. Auch Friedrich Ludwig Jahn ist mit Salzwedel verbunden, besuchte er doch hier von 1791 bis 1794 das später nach ihm benannte Gymnasium.

Nun aber genug von Salzwedel. Gegen 10 Uhr komme ich los und muss erst einmal feststellen, dass mich meine GPS-Route einen falschen Weg führt, ich also doch lieber auf das Kartenmaterial zurückgreifen sollte. Bis zu meinem ersten Zwischenziel, dem Arendsee gibt es nämlich mehrere Dörfer mit sehr stattlichen Feldsteinkirchen, die ich unbedingt näher betrachten wollte. Leider ist wohl im Landkreis Salzwedel für die Kirchen der Montag der Ruhetag, so dass ich heute in keine Kirche hinein kam. Als ich dann im Landkreis Stendal war, merkte ich, dass es dort offensichtlich anders geregelt ist. Aber da war ich dann außerhalb der Öffnungszeiten an den Kirchen.

Die Landwirtschaft in dem Gebiet bis zum Arendsee ist eine Gemüse- und Getreidewirtschaft, die allerdings durch große Waldflächen unterbrochen ist. Der Arendsee ist ein ovaler See und mit einer Wasserfläche von 5 qkm ist er der größte See Sachsen-Anhalts. Der Arendsee liegt direkt über einem Salzstock und ist durch den Einsturz des Deckengebirges nach Ablaugung des Salzes durch das Grundwasser entstanden. Beim vorläufig letzten Einsturz im Jahre 1685 versank die Mühle des Ortes im Wasser und die Fläche des Sees soll sich um 20 Hektar vergrößert haben. Das damit verbundene Risiko scheint aber weder die Bewohner des Ortes Arendsee noch die zahlreichen Touristen sonderlich zu beängstigen. So hat der Ort immerhin knapp 7 Tsd. Einwohner und der Tourismus boomt offensichtlich. So traf ich am Ufer des Arendsees ein bayerisches Ehepaar, das in Prien am Chiemsee lebt und hierher zum Urlaub gekommen war, um mal etwas anderes zu sehen. Stimmt! Die Alpen oder etwas Vergleichbares sieht man am Arendsee nun wirklich nicht. Dafür aber das Kloster Arendsee, das Markgraf Otto I., Sohn Albrechts des Bären, 1183 gestiftet hatte. Bei dem Vater lag die Stiftung eines Klosters wirklich nahe. Vom Kloster selbst sind heute nur noch Ruinen erhalten. Die ab 1185 entstandene romanische Klosterkirche ist dagegen noch erhalten.

In Arendsee lege ich eine Mittagspause ein und verzehre in einem der preiswerten Dönerimbisse überbackene Nudeln mit Hähnchendöner. Die Döner scheinen hier das bevorzugte Gericht der Touristen zu sein. Also wie ich, zumindest auf meinen Touren, mehr Gourmands denn Gourmets.

Die Weiterfahrt bringt mich nun in eine völlig andere Landschaft. Der Getreide- und Gemüseanbau hört praktisch auf, der Boden ist nun Sandboden, die Wälder sind Pinienwälder und auch die Kirchen sind nun nur noch Backsteinkirchen. Auch Letzteres hat natürlich etwas mit der Geologie des Bodens zu tun. In Sandböden wird man schwerlich Feldsteine finden. So musste man Alternativen als Baumaterial erschließen und so kam man auf den Ziegel, denn tonhaltiger Lehm findet sich in Sandböden reichlich zumindest häufiger als Feldsteine.

Zwischen Arendsee und Aulosen ist die Gegend nun nicht sonderlich spannend. In den Dörfern gibt es noch nicht mal Kirchen. Sie wirken mehr wie eine Handvoll hingeworfener Häuser, von denen viele verlassen sind und verfallen. Von den sichtbaren Bewohnern scheinen die meisten schon Anspruch auf Rollatoren gehabt zu haben. Es geht also etwas behäbig zu. Einige bewegen sich sogar auf Elektrofahrrädern. Allerdings sind diese kein Vergleich zu dem, was ihre Altersgenossen in Deutschlands Süden und Südwesten so auf die Straße bringen.

Ab Aulosen, ganz im Nordosten Sachsen-Anhalts wird es dann wieder spannender. In den Dörfern gibt es zum Teil sehr sehenswerte Backsteinkirchen oder mit Wahrenberg das storchenreichste Dorf Sachsen-Anhalts. Bei Wahrenberg komme ich dann auch an die Elbe. Der Weg liegt nun ziemlich genau gegenüber Wittenberge in Brandenburg auf der anderen Seite der Elbe. Hier geht es durch die sogenannte Altmärkische Wische, eine in der Altmark gelegene Elbniederung, die eine noch weitgehend unberührte Naturlandschaft ist. Vor dem Bau der Deiche war hier ein Überschwemmungsgebiet der Elbe. Die weiten Flächen werden überwiegend landwirtschaftlich, meines Erachtens viehwirtschaftlich und zur Pferdezucht genutzt. Durch die die Landschaft ziehen sich lange Wassergräben, mit denen die Wiesen und Felder entwässert werden. Die Ursprünglichkeit und Natürlichkeit der Landschaft wird aber durch alte Arme der Elbe und durch den nicht gezügelten Verlauf des Alands, den Oberlauf des Drei-Namen-Flusses Milde-Biese-Aland gewährleistet.

Über Wahrenberg, Losenrade geht es nun noch weiter nach Beuster. Erwähnenswert ist hier die alte Backsteinkirche, die für das Dorf geradezu mächtig erscheint. Dies ist keine kleine Dorfkirche, sondern eine ziemlich große, die für sich als die älteste Backsteinkirche nördlich der Alpen wirbt. Leider ist es schon 18.30 Uhr als ich in Beuster ankomme. So komme ich zu spät um sie zu besichtigen. Um 19.15 Uhr bin ich dann in der Hansestadt Seehausen, finde ein gutes Quartier und lasse bei einem Abendessen im angeschlossenen Restaurant den Tag Revue passieren, um mich auf diesen Reisebericht vorzubereiten.

Nun sind auch die Bilder da!

 

 

Ein Kommentar

  • Regina Sakowitz sagt:

    Lieber Wolfgang,
    schöne Tage, gutes Wetter und viel Vergnügen unterwegs.
    Die Reisebeschreibung ist wieder sehr informativ.
    Herzliche Grüße aus Chemnitz. Es gewittert gerade mächtig.

    Regina Sakowitz

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