14. Tag (19. April 2022): Brüssel

Heute werde ich Brüssel mit dem Fahrrad erkunden. Ich habe mir einige Ziele vorgenommen, die relativ weit auseinanderliegen und daher zu Fuß an einem Tag wohl kaum alle zu erreichen wären. Nach dem wieder sehr guten Frühstück geht es los. Zwar ist es morgens noch etwas trübe, aber im Laufe des Tages wird es wieder sonniger, auch wenn heute einige Wolken den Himmel bedecken. Die Fahrt mit dem Fahrrad durch Brüssel ist trotz des weitgehend guten Radwegnetzes wie in jeder Großstadt mit Herausforderungen verbunden. Aber es geht wieder alles gut. Ich habe ja inzwischen viel Erfahrung mit Fahrradtouren auch durch Großstädte.

Tagesstrecke: 35 Km mit dem Fahrrad

Ausflug zum Palais Stoclet und zur Maison Cauchie

Schon bei meiner Fahrt nach Brüssel war mir das Palais Stoclet aufgefallen. Es erinnerte mich doch stark an Elemente der Wiener Secession, was ich dann auch bestätigt bekam, dass es von dem Wiener Architekten Josef Hoffmann stammt und sogar als sein Hauptwerk gilt. Der Bauherr war der wohlhabende Unternehmer und Finanzmann Adolphe Stoclet (1871–1949). Adolphe Stoclet beauftragte Hoffmann gemeinsam mit der für die künstlerische Ausgestaltung zuständigen Wiener Werkstätte, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Am sehr aufwändigen Gesamtkonzept waren dann neben Gustav Klimt zahlreiche weitere Wiener Künstler beteiligt. Stilistisch zeichnet sich an dem recht strengen, klar gegliederten Bau das Ende des Jugendstils und der Begin von Art déco und der modernen Architektur ab. Seit Ende Juni 2009 ist das Palais Stoclet Teil des UNESCO-Welterbes. Es ist aber nach wie vor in Privatbesitz und daher nicht öffentlich zugänglich. Aus diesem Grund ist auch der sogenannte Stoclet-Fries, ein Wandmosaik von Gustav Klimt, nicht zu besichtigen.

Leider kann ich auch nicht viel andere Fotos machen als schon vor zwei Tagen bei meiner Anreise. Außer von der Tevurenlaan ist das Gebäude nicht zu sehen. Ich hatte gehofft es auch noch von der Rückseite fotografieren zu können, aber das war leider nicht möglich. Von den anderen Seiten ist das Gebäude von allen Seiten gut abgeschirmt. Um die Unterschiede innerhalb der Jugendstilarchitektur deutlich zu machen, besuche ich dann noch einmal das nahegelegene Maison Cauchie, das  im Jahre 1905 für den belgischen Maler Paul Cauchie und seine Frau gebaut wurde. Der Entwurf stammt von Cauchie selbst. Die Fassade ist fast vollständig mit Sgraffiti bedeckt. Cauchies Frau schmückte zusammen mit ihrem Mann das Interieur. Gerade die Fassade ist ein schönes Beispiel für den malerischen, filigranen und verspielten Jugendstil, der insbesondere den Jugendstil in Brüssel auszeichnet, der aber in einem großen Gegensatz zur formstrengen und klar gegliederten Architektur des Palais Stoclet darstellt.

 

Tour zum Justizpalast und zur Kirche Notre-Dame du Salon

Vom Palais Stoclet bzw. vom Maison Cauchie geht es zurück in die Innenstadt. Mein nächstes Ziel ist der Justizpalast. Bevor ich zum Justizpalast komme, mache ich aber noch Station an der für Brüssel bedeutenden Kirche Notre-Dame du Sablon. Das heutige Brüsseler Stadtviertel Sablon/Zavel war im 13. Jahrhundert nicht mehr als eine große sandige Fläche, die als Begräbnisplatz diente. Im Jahre 1304 errichtete die Gilde der Armbrustschützen hier eine Kapelle. Ihren Ausbau von der Kapelle zur Kirche verdankt sie letztlich einem Diebstahl. Als 1348 die Pest Brabant heimsuchte, raubte die fromme Baert Soetkens, nachdem ihr in einer Vision die Jungfrau Maria dies befohlen hatte, aus einer Antwerpener Kirche eine wundertätige Marienstatue und transportierte sie auf einer Barke über Schelde und Senne zu eben jener Kapelle, wohin alsbald viele Gläubige strömten. Diese ließen der Kapelle großzügige Spenden zukommen.

Dies gab in der Gilde der Armbrustschützen zu Beginn des 15. Jahrhunderts Anlass dafür, die Kapelle durch einen neuen und größeren Sakralbau zu ersetzen. Zunächst wurden das südliche Querschiff und die ersten beiden Pfeiler des Hauptschiffs errichtet, dann folgten das nördliche Querschiff und der Chor, sowie die Längsschiffe, welche zu Beginn des 16. Jahrhunderts noch einmal verlängert wurden. Die massiven Stützmauern deuten darauf hin, dass der Bau eines Turmes vorgesehen war. Als nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 Unruhen ausbrachen, kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. Erst unter der Herrschaft Philipps des Schönen wurden die Arbeiten an den Seitenschiffen und am Hauptportal fortgesetzt. Die Statthalterin der habsburgischen Niederlande, Margarete von Österreich, fühlte sich der Kirche sehr verbunden und initiierte dort 1530 eine große Prozession zum Dank für die Befreiung von der Pest, welche Brüssel heimgesucht hatte. Die Kirche war im 16. Jahrhundert Grablege der habsburgischen Postmeister, der am Ende des 17. Jahrhunderts gefürsteten Thurn und Taxis.

Als Ende des 16. Jahrhunderts der Calvinismus Einzug hielt, wurde die Kirche geschlossen, litt aber darüber hinaus durch den Schutz der militärischen Gilden nur wenig unter den religiösen Unruhen. Unter der französischen Herrschaft Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie kurzzeitig entwidmet und geschlossen, 1803 aber wieder als Gotteshaus in Betrieb genommen. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen. Zunächst wurden 1878 die angebauten Gebäude abgerissen, anschließend wurde nacheinander durch die Architekten das Kirchengebäude restauriert, bis die Arbeiten 1907 mit der Restaurierung des Südportals abgeschlossen werden konnten. Papst Pius XI. ernannte Notre-Dame du Sablon am 12. September 1929 zur Offizialkirche der 1926 gegründeten belgischen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Bunte Blumenrabatten, akurat geschnittene Hecken, Denkmäler stolzer Flamen und eine schmiedeeiserne Umzäunung mit üppigem Figurenschmuck, das  beschreibt die Place du Petit Sablon  Notre Dame du Sablon direkt gegenüber der Kirche. Einer der berühmten belgischen Architekten des 19. Jhdt., Henri Beyaert, entwarf den 1890 eröffneten Park, der, wie es im Baedeker heißt,  nicht nur Ruhe, sondern auch umfassende historische Fortbildung verspricht. Die 48 Bronzestatuen auf dem Gitterzaun stellen die die Brüsseler Zünfte dar und wurden von verschiedenen Künstlern geschaffen. Im hinteren Drittel des Platzes erhebt sich auf einem kleinen Hügeldas 1864 geschaffene Denkmal für die 1568 auf der Grand´Place hingerichteten Grafen Egmont und Hoorn. In den Heckennischen sind etlichen der berühmten Zeitgenossen der beiden Grafen ebenfalls Denkmäler gesetzt.

Von der Place du Petit Sablon geht es nun die letzten paar hundert Meter die Rue de la Regénce hinauf zum Justizpalast. Der Justizpalast von Brüssel (französisch Palais de Justice de Bruxelles, niederländisch Justitiepaleis van Brussel) ist das bedeutendste Gerichtsgebäude Belgiens. Es wurde zwischen 1866 und 1883 nach Plänen des Architekten Joseph Poelaert im Stil des eklektizistischen Historismus in der belgischen Hauptstadt Brüssel errichtet und war der größte Justizpalast des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden in Europa zahlreiche monumentale Paläste für die obersten Gerichtshöfe erbaut, die konzeptionell dem Vorbild des Pariser Palais de Justice nachempfunden waren. Der Brüsseler Justizpalast nahm hierbei eine Vorreiterrolle ein.

Bereits wenige Jahre nach der Gründung Belgiens im Jahr 1831 wurde mit den Planungen begonnen. Der Bau sollte ein Symbol für die Rechtsstaatlichkeit des neuen Staatsgebildes sein. Er versinnbildlicht zudem die Größe des vereinten Belgiens und gilt als belgisches Nationalsymbol. Die Finanzierung wurde von König Leopold II. großzügig bezuschusst; die Mittel stammten zu großen Teilen aus der Ausbeutung der Kongokolonie. Man sieht daran wie ambivalent auch die Finanzierung eines Symbols der Rechtsstaatlichkeit sein kann. Das wird auch noch an einem anderen Begleitumstand der Errichtung deutlich. Damit die Pläne verwirklicht werden konnten, mussten die Bewohner im Jahr 1867 den historischen Brüsseler Altstadtbezirk Bovendael räumen. Viele wütende Bürger machten den Architekten Joseph Poelaert persönlich dafür verantwortlich und gaben ihm den Hassnamen „schieven architek“. Das Wort „schiev“ (etwa: beschämender Architekt) soll eines der gröbsten Schimpfwörter im Dialekt der Marolles (Brüsseler Stadtviertel) gewesen sein. Poelaert hat übrigens die Einweihung seines Justizpalastes nicht mehr erlebt. Er starb vier Jahre vorher an zerebraler Überlastung.

Das Gebäude nahm sämtliche Justizbehörden Brüssels auf, darunter auch den obersten Gerichtshof Belgiens. Der Justizpalast prägt das Stadtbild aufgrund seiner Größe und der exponierten Lage auf dem Galgenberg (!) am Übergang zwischen Ober- und Unterstadt. Eine über hundert Meter hohe Kuppel unterstreicht den monumentalen Charakter. Vergleichbare Projekte entstanden in Wien, München Leipzig oder Rom. In Größe und Monumentalität blieb der Justizpalast in Brüssel allerdings unübertroffen. Das Gerichtsgebäude beherbergt heute den belgischen Kassationshof. Das Bauwerk wurde im Jahr 2008 von der belgischen Regierung als Kandidat für das UNESCO-Weltkulturerbe vorgeschlagen.

Der Brüsseler Justizpalast ist inzwischen sehr marode und seit Jahren als Problembau bekannt. Der Kuppelturm ist seit mehr als 25 Jahren eingerüstet. Zahlreiche Säle sind aufgrund von Bauschäden nicht mehr nutzbar, mehrere Justizabteilungen haben den Bau verlassen und sind in Neubauten umgezogen. Seine Erhaltung als belgisches Nationalsymbol ist politisch umstritten. Während ich vor neun Jahren noch in die imposante Eingangshalle konnte, ist der Justizpalast heute für Besucher geschlossen. Ich werde daher hier zumindest einige alte Fotos von meinem letzten Besuch in Brüssel einstellen. Hier aber noch eine kurze Beschreibung des interessanten Gebäudes.

Der rechteckige Grundriss ist 160 Meter lang und 150 Meter breit. Die eindrucksvolle Empfangs- und Verteilerhalle (Salle des pas perdus), in die man beim Betreten des Gebäudes durch den Haupteingang sogleich gelangt, ist einschließlich der Galerien und Treppenaufgänge 3.600 Quadratmeter groß und 97,5 Meter hoch. Der Fußboden ist im Zentrum mit einem großen Windrosenmosaik geschmückt. Die imposante Kuppel erhebt sich in knapp 98 Metern Höhe auf dem zentralen Turmaufbau und verleiht dem Gebäude eine Gesamthöhe von rund 116 Metern. Bedingt durch die Hanglage auf dem Hügel befindet sich der Haupteingang mehr als 20 Meter höher als der Eingang auf der Westseite des Gebäudes. Nachdem die Kuppel am 3. September 1944 von deutschen Besatzern in Brand gesteckt worden war, musste sie nach dem Krieg neu aufgebaut werden. Die Form wurde dabei leicht verändert und die Kuppel ist seitdem um 2,5 Meter höher als zuvor.  Das Gebäude besitzt acht Innenhöfe, 27 Gerichtssäle und 245 weitere Räume. Getragen wird es teilweise von einer innenliegenden Stahlkonstruktion, damals eine technische Innovation. Mit einer Fläche von 26.000 m² ist der Brüsseler Justizpalast deutlich größer als der Petersdom in Rom, erreicht aber nicht dessen Kuppelhöhe.

Wie gesagt, ein Besuch im Inneren des Justizpalastes war heute leider nicht möglich. Der Blick von außen reichte aber, den, trotz der Imposanz, beklagenswerten Zustand des Justizpalastes zu erkennen. Nachdem ich mich etwas umgeschaut habe, geht es nun in die Außenbereiche von Brüssel, wo zwei weitere berühmte Sehenswürdigkeiten warten.

 

Ausflug zur Nationalbasilika des Heiligen Herzens

Nach etwa acht Kilometern durch die Region Brüssel erreiche ich die Gemeinde Koekelberg. Auf dem Plateau hier im Nordwesten Brüssels steht die Nationalbasilika des Heiligen Herzens (französisch Basilique Nationale du Sacré-Cœur, niederländisch Nationale Basiliek van het Heilig Hart). Vor dem Bau der Kirche stand auf dem Plateau eine alte Windmühle aus dem 16. Jahrhundert.  Die Basilika, die in den Jahren von 1905 bis 1970 im Art-déco-Stil erbaut wurde soll die fünftgrößte Kirche der Welt. Woran man das freilich festmacht, ist mir nicht ganz klar. Unzweifelhaft gehört sie aber zu den größten Kirchen der Welt.

Auch diese Kirche ist einer Idee des umtriebigen aber sehr ambivalent wirkenden und umstrittenen König Leopold II. entsprungen. Zum 75. Jahrestag der Unabhängigkeit Belgiens (1905) wollte er dort ein Pantheon für berühmte Belgier errichten lassen. Das Projekt stieß in der Bevölkerung auf wenig Akzeptanz. Daraufhin änderte der König seine Pläne 1902 nach einem Besuch in Paris, wo ihn die in Bau befindliche Pariser Basilika Sacré-Cœur auf dem Montmartre beeindruckt hatte. Mit dem Bau der Nationalbasilika beauftragte er den Architekten Pierre Langerock, der das Bauwerk als eine monumentale neugotische Kathedrale entwarf. Am 12. Oktober 1905 legte König Leopold II. den Grundstein des Gebäudes. Als der König 1909 starb, waren die Fundamente und Ausschachtungen noch nicht fertig. Der Erste Weltkrieg aber vielleicht auch das inzwischen durch sein Kongopolitik ruinierte Ansehen des Königs unterbrachen die Bauarbeiten. 

1920 beauftragte die belgische Regierung den flämischen Architekten Albert Van Huffel aus Gent mit der Fortführung des Werks nach neuen Entwürfen, die unter anderem die Kosten verringern sollten. Van Huffel entwarf einen Ziegelbau im damals modernen Art-déco-Stil mit kubischen und zackigen Elementen. Als Nationalkirche bekam die Kirche zehn Seitenkapellen, die die neun Provinzen Belgiens und den Kongo symbolisieren. Zum 30. Jahrestag der Grundsteinlegung fand 1935 mit einer Sondergenehmigung von Papst Pius XI. eine vorläufige Weihe des unfertigen Kirchengebäudes an den Weltfrieden statt. Die eigentliche Kirchweihe im Jahr 1951 dauerte zwei Tage, weil aufgrund der Größe des Baus nicht alle Wände an einem Tag mit Weihwasser besprengt werden konnten. Die Kirche wurde am 28. Januar 1952 durch Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben. Als Datum der vollständigen Fertigstellung der Basilika gilt der 11. November 1970, die Feier des 25. Jahrestages der Amtseinführung des Erzbischofs Léon-Joseph Kardinal Suenens von Mecheln-Brüssel.

Die Basilika hat in ihrer heutigen Form eine Länge von 141 m (Hauptschiff) und eine Breite von 107 m (Querschiff), womit sie zu den größten Kirchen der Welt gehört. Sie ist ferner das weltweit größte Gebäude im Art-déco-Stil und bietet Platz für rund 2.000 Menschen. Der Innenraum ist durch die matte, gelblich-erdige Tönung der Wandverkleidung aus glasiertem Terrakotta geprägt. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 33 m; die Basilika erreicht damit eine Höhe von 93 m. Auf 53 m Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen Ausblick auf das Brüsseler Zentrum bietet. Heute ist sie leider geschlossen.

Am Morgen des 21. Juli, des belgischen Nationalfeiertags, wird in der Basilika unter Anwesenheit der königlichen Familie ein Dankgottesdienst mit Te Deum gefeiert, der als Staatsakt alljährlich die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag einleitet. Die Basilika dient als Pfarrkirche für vier Brüsseler Stadtbezirke sowie als Touristenattraktion und internationaler Gebetsort für den Frieden. In der Basilika sind neben den Sakralräumen auch zwei Museen untergebracht, darunter ein Museum für christliche Kunst. Neben Gottesdiensten finden dort auch Kulturveranstaltungen und Ausstellungen statt.

Fahrt zum Weltausstellungsgelände 1935 und 1958

Nun geht es noch einmal etwa acht Km in den Stadtteil Laken/Laeken, wo auf dem sogenannten Heysel-Plateau die Weltausstellung von 1935 und die Expo 1958 stattfanden.

Ursprünglich sollte die Weltausstellung anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Belgiens im Jahr 1930 durchgeführt werden. Die Städte Antwerpen und Lüttich beschlossen die Ausrichtung einer zweigeteilten Ausstellung zum nationalen Jubiläum 1930, so dass die Weltausstellung in Brüssel um fünf Jahre verschoben wurde. 1935 feierte Belgien und Brüssel ebenfalls zwei Jahrestage: Vor 50 Jahren erhielt Belgien, resp. König Leopold II. den Kongo als Kolonie und vor 100 Jahren wurde in Brüssel die erste Eisenbahnstrecke auf dem Kontinent eröffnet. Ein Schwerpunkt der Weltausstellung 1935 in Brüssel lag in der Nutzung von künstlichem Licht: Neonlicht wurde auf vielfältige Art gestalterisch eingesetzt. Als Neuerungen im Verkehrswesen wurden Bedarfsampeln für Fußgänger vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt lag bei den Neuerungen in der Funk- und Fernsehtechnik. Durch die Ausstellung fuhr eine interne Eisenbahnlinie an deren Haltestellen Anschluss an das städtische Straßenbahnnetz bestand. In der Kunstausstellung wurden Werke zeitgenössischer Künstler wie Paul Delvaux, René Magritte, Francis Picabia und Pablo Picasso gezeigt.

Die Expo 58 war die Weltausstellung, die vom 17. April bis 19. Oktober 1958 in der belgischen Hauptstadt Brüssel stattfand. Das offizielle Motto lautete „Arbeit der Welt – für eine menschliche Welt“. Dazu passend wurden die beiden neuen Zukunftstechnologien Raumfahrt und Atomkraft erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Es war die erste Weltausstellung nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Vorrangig war die Ausstellung eine Leistungsschau der belgischen Industrie. Geprägt wurde die Ausstellung durch die Rivalität der damaligen Westmächte mit dem Ostblock. Beide Seiten versuchten, die eigenen Staaten auf unterschiedlichen Ebenen als fortschrittlicher darzustellen.

Von den damaligen Bauwerken der beiden Weltausstellungen sind heute nur noch wenige zu sehen. So das Grand Palais/Grote Paleis (auch bekannt als Palais des Expositions) der architektonische Höhepunkt der Weltausstellung von 1935 im Art-déco-Stil. Er bestand aus insgesamt fünf Ausstellungshallen mit einem Verwaltungsgebäude. In diesen Hallen waren u. a. die belgische Sektion mit Ausstellungen des Eisenbahnwesens, der Industrie, der Kunst und des Handels untergebracht. Von der Expo 1958 steht als bedeutendstes Bauwerk heute noch das sogenannt Atomium. Um den Leistungsstand der belgischen Stahlindustrie zu demonstrieren, entwarf der belgische Ingenieur André Waterkeyn das Atomium als Hommage an das Zeitalter der Schwerindustrie. Es ist eines der wenigen erhaltenen Bauten der Ausstellung, heute sicher neben Manneken Pis, das berühmteste Wahrzeichen Brüssels, und stellt die 165-milliardenfache Vergrößerung einer Elementarzelle eines Eisenkristalls dar. Da der Bau des Atomiums mit 1957 umgerechnet 15 Mio. DM doppelt so teuer war wie ursprünglich geplant, wurde für die Besichtigung des Gebäudes ein extra Eintrittsgeld erhoben. Im Inneren der Kugeln befanden sich Ausstellungen zum Thema Atomkraft, in der obersten Kugel ein Restaurant mit Aussicht über das Ausstellungsgelände.

Ich mache einen Spaziergang über das Ausstellungsgelände der beiden Weltausstellungen. Obwohl die meisten der damaligen Gebäude und Pavillons nicht mehr vorhanden sind, ist der Heysel Park nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel für die Belgier und Touristen. Mir fällt auf dem Spaziergang dann eine Geschichte aus meiner Kindheit ein. Mein Vater besuchte damals die Weltausstellung in Brüssel und als er wieder kam erzählte er ganz begeistert, dass er dort auch frittierte Kartoffelstäbchen gegessen habe, die man pommes frites nennt. Auf diese Weise lernte ich dann auch pommes frites kennen, die zu dieser Zeit auch schon vereinzelt in Deutschland meistens von mobilen Ständen, die wir im Rheinland Frittenbuden nannten, verkauft wurden. Damals gab es eine Tüte Pommes mit Mayo bereits für 30 Pfennig.

Nach meinem Rundgang setze ich mich wieder auf mein Fahrrad und radle nun zurück in das Hotel. Auf dem Weg schaue ich noch bei einigen Jugendstilgebäuden vorbei. Jugendstil in Brüssel wäre noch mal ein besonderes Kapitel. Brüssel gilt architektonisch als die reichste Jugendstilstadt. Mein Besuch in Brüssel ist aber nun auch beendet. Morgen geht es wieder weiter.

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