Heute also zum ersten Mal mit der französischen Eisenbahn gefahren. Schon deshalb ein Abenteuer. Aber es hat alles gut geklappt. Gestern hatte ich mir schon in Nevers, etwa 700 Kilometer Loire aufwärts, wo Heidrun und ich die letzten Tage unsres gemeinsamen Urlaubs verbracht hatten, die Fahrkarte gekauft. Der freundliche Schalterbeamte der französischen Bahn sprach etwa genauso schlecht Englisch wie ich. Deshalb haben wir uns hervorragend verständigen können. Er suchte mir ein Verbindung heraus, bei der ich nur zweimal umsteigen musste und schließlich noch mit einem TGV die letzte Etappe nehmen konnte. Das verkürzte die Fahrtzeit um zwei Stunden. Im ICE kann man noch immer keine Fahrräder mitnehmen. Man muss allerdings im TGV dann 10 € für das Fahrrad berappen. Ansonsten kann man in Frankreich das Fahrrad kostenlos in den Zügen mitnehmen. Aber die 10 € waren mir für die zwei Stunden wert.

Offensichtlich ist man hier in Frankreich schon weiter als bei uns. Offensichtlich hatte mir der freundliche Fahrkartenverkäufer die Verbindungen noch nach anderen für mich günstigen Kriterien ausgesucht. So hatte ich mich zunächst gewundert, dass ich nicht in Tours direkt umsteigen sollte, sondern eine Station davor. Ähnlich war es, dass ich dann schon in Angers in den TGV wechselte und nicht erst in Nantes. Er hatte die Umsteigebahnhöfe offensichtlich auch so ausgesucht, dass ich nicht den Bahnsteig wechseln musste. Da die französischen Bahnhöfe noch nicht sehr barrierefrei sind, war ich ihm im Nachhinein sehr dankbar für seine Hilfe. Denn ein Reiserad mit Gepäck treppauf und treppab zu tragen gehört sicher zu den unerfreulichsten Erlebnissen einer solchen Tour. Zur Ehrenrettung der Franzosen sie aber hier bemerkt, dass sie offensichtlich intensiv an der Infrastruktur der Bahnhöfe arbeiten. Die meisten Bahnhöfe sind schlicht Baustellen.

Auch ansonsten gibt es einige Unterschiede. So findet man keine Aushänge von welchem Bahnsteig der Zug, auf den man wartet, abfährt. Nur auf Monitoren wird dann eine viertel bis halbe Stunde vor Abfahrt der Bahnsteig angegeben. Das führt natürlich zu einem völlig anderen Verhalten der Reisenden als bei uns. Sie halten sich viel länger in der Bahnhofshalle auf als bei uns, was sicher auch den dort ansässigen Geschäften zugute kommt. Etwas ähnliches hatte ich schon einmal in Prag kennengelernt.

Zu Saint Nazaire ist nicht viel zu berichten. Die Stadt macht einen eher gesichtslosen Eindruck. Hier gibt es einen der größten Häfen Frankreichs, Schiffsbau und wohl chemische Industrie. So sieht die Stadt dann auch aus. Geschichtlich hat die Stadt meines Wissens auch wenig zu bieten. Sie war im 2. Weltkrieg auch von den Deutschen besetzt, die hier ein U-Boot-Bais errichteten, deren Reste noch heute das Stadtbild verschandeln. Die Alliierten scheuten sich allerdings nach den großen Verlusten bei der Schlacht um Le Havre hier nochmal so viele Soldatenleben zu riskieren. So riegelte man die Stadt ab, während die Deutschen sie zur Festung ausbauten und erst drei Tage nah Kriegsende, also am 11. Mai 1945, kapitulierten.

Obwohl ich heute bei schönem Wetter in Nevers abfuhr hat sich nun hier an der Atlantikküste das Wetter erst einmal verschlechtert und ich kam bei Regen an. Dennoch hoffe ich morgen auf wieder besseres Wetter und die Prognosen sehen auch ganz vielversprechend aus. Aber Wetterprognosen sind leider zur Zeit leider sehr unzuverlässig. Also warten wir es ab.

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